Video: © Ralf Gründer, Berlin (06.05.2002)
Produktion: DDT - Das freie Dokumentarfilm-Team
TRAANSKRIPT TAPE 1
Als Allererstes hätte ich einen kurzen Abriss Ihrer Biografie.
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Also ich bin am 13.2.1956 geboren. Es war ein Annawerk, das ist im Süden von Deutschland und im Erzgebirge. Habe dann ganz normal die Oberschule besucht. Bin ab der 8. Klasse, jetzt würde man sagen, aufs Gymnasium gegangen. Damals hieß das erweitere Oberschule. Und habe dann 1974 das Abitur gemacht.
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Meine Eltern, mein Vater ist Schnitzer, eigentlich gelernter Werkzeugbauer. Aber seit ich denken kann, hatte er als Schnitzer gearbeitet. Meine Mutter war wesentlich, oder am meisten tätig als Heimarbeiterin. Also wie es unten in diesem Gebiet so üblich war.
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zum Teil geklöbbelt, aber auch so Mützen zusammengenäht, und so weiter.
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Das ist so ganz kurz, wie ich dort groß geworden bin.
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Wann traten Sie den Grenztruppen bei und warum?
Also ich trage den Grenztruppen bei 1974, ich machte also 1974 mein Abitur.
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Und warum?
Ich war groß geworden in der ehemaligen DDR, ich war stolz auf die ehemalige DDR. Und für mich gab es damals die Situation zweier deutscher Staaten, auch zweier militärischer Blocke. Auf der einen Seite die NATO, zugehörig die BRD, auf der anderen Seite wir als DDR, zugehörig dem Warschauer Vertrag. Und für mich war einfach die Notwendigkeit sichtbar, auch etwas für den Schutz des eigenen Landes tun zu müssen, über das normale Maß des Grundwehrdienstes oder einer Verpflichtung als Unteroffizier auf drei Jahre hin aus. Das war der eine Grund, und der zweite Grund war, ich habe mich für den militärischen Beruf interessiert.
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Das heißt, ich habe eigentlich frühzeitig auch Literatur gelesen, mich mit vielen unterhalten. Und ich habe mir gesagt, dass ist ein Beruf, da kannst du Verantwortung übernehmen, du kannst dich weiterentwickeln, du kannst erstmal auch studieren und einen vernünftigen Abschluss machen. Und es liegt dir einfach. Zumal ich noch gerne und recht offen bin und gerne mit Menschen zusammen arbeite. Das waren so die zwei Hauptvoraussetzungen.
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Ich würde Sie bitten. Viel zurück. Ja, weil das quietscht die ganze Zeit. Oder wenn Sie die nicht ruhig halten wollen, Schuhe ausziehen. Aber so habe ich immer die...
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Warum waren Sie stolz auf die DDR?
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Ich sag mal so, ich bin dort groß geworden, ich bin in die Schule gegangen,
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war bei den Jungpionieren, da war ich auch stolz. Und es war eigentlich für mich von Anfang an ein Land, was aus dem Nichts, sagen wir mal, nach einem Krieg, 1949 gegründet wurde.
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Nicht irgendwie aufgedrückt gegründet, sondern von sich heraus. Die Lehren aus dem Krieg wurden gezogen auf deutschen Boden in der damaligen DDR. Wir waren ein sozialistischer Staat, es gab also kein Privateigentum.
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Alles gehörte allen und darauf konnte man doch stolz sein. Ich hatte eine vernünftige Bildung. Die Probleme, wie wir sie jetzt haben zum Teil, waren keine Probleme, ob das wie gesagt Bildung war, ob das Gesundheitswesen war, ob das Urlaub war und vieles andere Mehrarbeit war. Und wenn man gesehen hat und auch angewachsen ist, was aus dieser kleinen DDR auch international geworden ist, vom Sport ganz zu schweigen als ein kleiner Teil dazu, da konnte man doch stolz darauf sein.
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Welche persönliche Struktur muss ein Mensch haben, zu dienen?
Er muss erst mal bereit sein, mehr - ich sag mal so, bereit sein mehr zu bringen oder mehr zu leisten wie der Durchschnitt.
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Das habe ich mir damals gesagt und davon bin ich jetzt auch überzeugt.
Also wenn ich dienen will, egal jetzt in welchen bewaffneten Organen, muss ich auch mal bereit sein, persönliche Interessen zurückzustecken und die meines Landes oder der Gesellschaft in Vordergrund zu rücken.
Aber die Struktur, sich anderen Menschen grundsätzlich und permanent unterzuordnen, also dieses hierarchische Prinzip, die …
Das muss man akzeptieren!
Wie kann man das eigentlich akzeptieren? Welche Struktur muss man haben, um das akzeptieren zu können, dass es immer einen Vorgesetzten gibt, der nicht argumentieren muss, sondern der befiehlt.
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Ja, das ist jetzt eine zweischneidige Frage. Also ein Vorgesetzter oder andersrum, Militär ist nun mal so, dass der Vorgesetzte befiehlt, ohne dass er seinen Befehl mehr oder weniger erläutern muss.
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Die andere Seite ist, dass wenn ich mich mit dem Befehl identifiziere, wenn ich sage, jawohl, der Befehl ist sinnvoll, da braucht er das nicht zu argumentieren?
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Mit welchem Dienstgrad traten Sie ein in die Grenztruppen und Sie sagten, Sie kamen dann zur Offiziershochschule und studierten. Können Sie die ersten zwei, drei Jahre beschreiben Ihrer Mitgliedschaft?
Also ich begann zu studieren, 1974 an der Offiziershochschule der Grenztruppen in Plauen. Das Studium dauerte drei Jahre und beinhaltete sowohl allgemeine Fächer, als auch insbesondere die militärischen Fächer, die einfach notwendig waren, und später den Beruf eines Offiziers ausüben zu können.
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In den drei Jahren machte ich mein Abschluss als Hochschulingenieur-ökonom, zueinander man das, also schloss man dieses Studium ab und wurde dann 1977 in Plauen zum Leutnanten anhand.
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Wie war das Studium aufgebaut, welche Fächer und welche Schwerpunkte waren da und wofür interessierten Sie sich besonders?
Die Schwerpunkte des Studiums lagen natürlich in den militärischen Fächern, also über Taktik, Grenztaktik, Grenzaufklärung, Schutz vor Massenvernichtungswaffen, also natürlich gesellschaftswissenschaftliche Fächer, Philosophie, Ökonomie, Geschichte, Militärgeschichte, Geschichte der Arbeiterklasse und es war natürlich auch Fächer dabei, militärische Körperertüchtigungen, also Sport würde man sagen, also praktische Fächer.
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Was war Grenz-Taktik?
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In dem Fach Grenz-Taktik wurde erstmal die theoretische Grundlage geschaffen, um überhaupt Grenzdienst versehen zu können, die Gesetzlichkeit, das Grenzgesetz, also erstmal in der Theorie abgehandelt und natürlich dann auch im Praktischen, im Gelände, auf Übungsplätzen trainiert, ob das die Sicherung des Grenzabschnittes war, ob das die Verfolgung war, ob das die Abriegelung war und vieles andere mehr.
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Und worin besteht der Unterschied zwischen der Grenz-Taktik und der allgemeinen Taktik?
Allgemeine Taktik ist begrenzt, sagen wir mal so, auf taktische Handlungen im Falle eines Krieges, also wie Angriff, Verteidigung, Aufklärung. Und Grenz-Taktik ist spezifisch auf die Sicherung der Staatsgrenze ausgerichtet.
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Können Sie das aber diesen Begriff Grenz-Taktik genauer beschreiben? Was musste der Soldat wissen, um an der Grenze Dienst machen zu können?
Zunächst erstmal musste er die gesetzlichen Bestimmungen beherrschen und das war natürlich die Grundvoraussetzung, die theoretische Ausbildung, dass man sich erstmal mit dem Grenzgesetz auseinander gesetzt hat, mit den einzelnen Dienstvorschriften und praktisch beherrschen musste er die Sicherung seines Postenbereichs, wenn man das jetzt auf den Soldaten bezieht. Also er hatte einen bestimmten Postenbereich, den hatte er zu sichern.
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Dort hat er seine Beobachtungsektoren zu organisieren, besser gesagt, es ist ja nie ein Soldat allein zum Grenzgesetz gegangen, sondern das hat nächster der Postenführer gemacht.
Zur Fortsetzung des Transkripts sehen Sie bitte das Interview.
Tipp 1: Fotogalerie Grenzregiment 44
Tipp 2:
