Kamera, Ton und Edit: © Ralf Gründer, Berlin
Produktion: DDT - Das freie Dokumentarfilm-Team
Dr. Burkhart Veigel berichtet im Vorort-Gespräch mit Georg Pahl von Fluchten durch die Mischwasserkanalisation Gleimstraße. Die Flüchtlinge stiegen in einen Gully Ecke Greifenhagener - bzw. Rhinower Straße (Ostberlin-Prenzlauer Berg) in die Kanalisation ein und gingen unterirdisch bis zur Graunstraße (West-Berlin, Wedding), wo sie durch einen Gully wieder an die Oberfläche stiegen.
Die Redaktion stimmt der Aussage von Dr. Burkhart Veigel nicht zu. Statt dessen sind wir der Ansicht, dass man einem Staat keine Flüchtlinge zurechnen kann, die zu einer Zeit geflohen sind, in der es diesen Staat noch nicht gab. Da die DDR erst 1949 gegründet wurde, kann es davor keine DDR-Flüchtlinge gegeben haben. Sicherlich haben nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Menschen die Kornkammer des Deutschen Reiches und Mitteldeutschland verlassen; das waren aber keine DDR-Flüchtlinge! Sie flohen nicht vor den Repressionen einer SED-Einheitspartei und den Drangsalierungen eines Staatssicherheitsdienstes, sondern entzogen sich dem Zugriff des sowjetischen Terrorregimes.
Es sind aber auch Deutsche aus anderen europäischen Staaten wie Dänemark, Schweiz, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten vertrieben worden, da sich die Deutschen weder durch den Krieg, noch durch den damit einhergehenden Massenmord an Juden, Roma, Sinti und Oppositionellen Freunde gemacht hatten. Auch diese Vertriebenen kann man nicht einer noch nicht entstandenen DDR hinzurechnen.
Mit der Gründung der DDR setzte eine neue Fluchtwelle ein, die Menschen aus der (vormals) sowjetisch besetzten Zone in den Westen vertrieb. Sie waren mit den Bedingungen dieses neuen angeblichen sozialistischen „Friedensstaates“ nicht einverstanden und machten sich auf die Siuche nach einer neuen Heimat. Da viele Menschen in der SBZ/DDR Verwandte in der Bundesrepublik Deutschland hatten und zugleich auch Bürger der Bundesrepublik Deutschland waren, lag es nahe, dort eine neue Zukunft zu suchen. Der wohl Prominenteste Flüchtling war Prof. Dr. Alfred Kantorowicz (*12.8.1899, † 27.3.1979), der im August 1957 die DDR verließ und über seine Beweggründe in der RIAS-Sendung „Aus der Zone - Für die Zone“ im August 1957 sprach:
(O-Ton): „Mit dem heutigen Tage habe ich den Machtbereich der ulbrichtschen Gewaltherrschaft verlassen. [..] Das ich diesen äußersten Entschluss durch Jahre und Jahre immer wieder hinausgeschoben habe, in der nachgerade verzweifelten Hoffnung, das Übermaß der Rohheit, Dummheit, Gewalttat, Rechtlosigkeit, die unendliche Schlammflut der Lüge, die Drosselung der geistigen Freiheit, dies alles sein nur Konvulsionen der Übergangszeit, und aus diesen schaurigen Wehen werde doch die Geburt einer neuen Gesellschaft sich erzeugen, in der soziale Gerechtigkeit und persönliche Freiheit zu schönem Ausgleich gelangen würden. 26 Jahre lang, seit meinem Eintritt in die kommunistische Partei im September 1931, habe ich an diesem Traum gehangen. Nach den Ereignissen der vergangenen Jahre, vom 17. Juni bis zu der [...] ungarischen Tragödie und nach der neuen Terrorwelle, besonders gegen die Intellektuellen, die unter dem Gebellfer der Rabauken des Ulbricht-Apparats entfacht worden ist, habe ich nun auch die letzte Hoffnung, was sage ich, die letzte Illusion verloren, dass aus solchem Abschaum eine neue, eine bessere Welt geboren werden könnte.
[…] Ich bitte hiermit die zuständigen Behörden der Bundesrepublik mir in dem von ihr gesicherten Teil meines Vaterlandes Schutz, Aufenthalt und Bürgerrecht zu gewähren.”
Licht ins Dunkel der Geschichte der Vertreibung versuchen Eva und Hans Henning Hahn mit ihrem Buch „Die Vertreibung im Deutschen Erinnern. Legenden, Mythos, Geschichte“ zu werfen.
Die Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik
Quelle: „Die Flucht aus der Sowjetzone und die Sperrmassnahmen vom 13. August 1961". Hrsg. vom Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen, Bonn und Berlin
Der Titel dieser Darstellung ist allerdings falsch. Richtig wäre: Die Fluchtbewegung aus der DDR und Berlin (Hauptstadt der DDR); bei dem gewählten Titel hätte die Darstellung mit 1945 beginnen müssen.
Die Google-KI faßt Folgendes zusammen:
„Zwischen 1945 und 1949 flohen oder wurden etwa 12 bis 14 Millionen Deutsche und deutschstämmige Menschen aus Mittel- und Osteuropa vertrieben, darunter aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches. Diese Menschen machten sich auf den Weg in das Gebiet des späteren Deutschlands oder nach Österreich.
Die Flucht und Vertreibung waren eine Folge des Zweiten Weltkriegs und der damit verbundenen territorialen Veränderungen. Viele Menschen wurden gewaltsam aus ihren Heimatorten vertrieben, während andere aus Angst vor Kriegshandlungen oder aufgrund der sich ändernden politischen Verhältnisse flohen.
Die Situation nach dem Krieg war chaotisch, und viele Vertriebene fanden sich in Notunterkünften oder Lagern wieder. Die Integration dieser großen Anzahl von Menschen stellte die deutsche Gesellschaft vor große Herausforderungen“.
Eine neuere Statistik kommt zu folgendem Ergebnis:
Insgesamt sind zwischen der Gründung der DDR im Jahr 1949 und dem Mauerfall 1989 mindestens 3,4 Millionen Menschen aus der DDR in den Westen geflohen oder haben die DDR verlassen.
Hier eine detailliertere Aufschlüsselung:
Vor dem Mauerbau (1949-1961):
Etwa 2,8 Millionen Menschen flohen aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland.
Nach dem Mauerbau (1961-1989):
Weitere 625.000 Menschen verließen die DDR, die meisten davon legal mit Ausreiseanträgen.
Massenflucht ab 1988/89:
Eine zusätzliche Abwanderungswelle, ausgelöst durch die Entwicklungen in anderen sozialistischen Ländern, umfasste bis Ende 1989 etwa 880.000 Menschen.
Insgesamt entspricht die Zahl der Flüchtlinge und Übersiedler etwa einem Viertel der DDR-Bevölkerung von 1950.
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Tipp 1: Wege durch die Mauer - Fluchthilfe und Stasi zwischen Ost und West / Burkhart Veigel, Berlin : Ed. Berliner Unterwelten im Ch. Links Verlag, 2019, 619 Seiten : Ill., graph. Darst., Kt. ; 23 cm, 5., erw. Aufl. mit Literaturverz. S. 603 - 610, Deutsch, ISBN 978-3-96289-073-5
Tipp 2: Mut und Freiheit – „Meine“ Flüchtlinge und meine Fluchthelfer-Freunde:, Verlag: BoD, Book on Demand GmbH, 2025, 494 S., etc., ISBN 978-3-8192-1465-3

