Die Mauerschneise quer durch Berlin ist eine Wunde der Stadt, die nun, nach der Grenzöffnung wieder verheilen soll. Dennoch sollte nicht so getan werden, als wäre hier immer alles in Ordnung gewesen, als hätte es die Berliner Mauer, die Teilung der Stadt nie gegeben. Diese Geschichte sollte immer ablesbar bleiben.

An verschiedenen Stellen in der Stadt sollte erkennbar sein: Hier ging sie entlang, die unüberwindbare Schneise.

Der Verlauf der Mauer sollte erkennbar oder zumindest erahnbar sein, ohne daß alle alten Bauten der Grenzsicherung erhalten werden. 

Stattdessen soll wieder neues Leben auf dem ehemaligen Todesstreifen möglich werden. Einzelne Teile, Bruchstücke, die gar nicht sofort ins Auge fallen müssen, können zeigen: Hier war einmal etwas anderes. - Was? - Geh doch die Anwohner fragen, die alte Frau auf der Straße, den Bäcker um die Ecke! 

Solche Bruchstücke, die kleine Teile der Geschichte erzählen und zum Weiterfragen auffordern, bestehen in der Bernauer Straße noch mit den Resten der ehemaligen Blockrandbebauung, welche sich ebenerdig im Boden befinden. Es sind Reste von Kellerlichtschächten, Schwellen der Tordurchfahrten und Installationsschächte. Sie lassen sich im Rahmen der Neubaumaßnahmen in die Planung einbeziehen und als Zeugen der Geschichte erhalten.

Der vorliegende Entwurf für den Abschnitt zwischen Ackerstraße und Strelitzer Straße versteht sich als realisierbarer Vorschlag, die Geschichte der Berliner-Teilung im oben erläuterten Sinne durch städtebauliche Maßnahmen in Erinnerung zu halten.

 

Reste im Gehweg (von Boris Schwitalski)

Berlin hat sich in kurzer Zeit seines markantesten Wahrzeichens entledigt, das in seiner Einzigartigkeit auch Symbol für die Unvereinbarkeit der beiden ideologischen, politischen und wirtschaftlichen Blöcke war: Die Mauer.

Schon heute ist im Stadtbild die ehemalige Grenze kaum mehr auszumachen und mit Ausnahme der wenigen denkmalgeschützten Reste droht sie unter den Neubauvorhaben zu verschwinden.

Für die Identität Berlins ist die Mauer und ihre Abschaffung seit 1989 ein wichtiges Ereignis. Deshalb sollte neben der geschichtlichen auch die räumliche Dimension der Trennung im Bewusstsein gehalten werden. Der Berliner Senat hat in diesem Sinne bereits beschlossen, den Verlauf der Mauer mit künstlerischen Mitteln sichtbar zu machen.

Der hier gezeigte Vorschlag zu den RESTEN IM GEHWEG versteht sich als eine Möglichkeit des städtebaulichen Umgangs mit der Geschichte. Er nimmt Bezug auf die speziellen Ereignisse an der Bernauer Straße und arbeitet mit den noch vorhandenen Zeugen dieser Geschichte. 

Diese Reste, die am Rand des jetzigen Gehwegs noch zu finden sind, stammen von den ehemaligen Häusern an der Bernauer Straße, die nach 1961 zunächst mit vermauerten Fenstern und Türen selbst als Grenzmauer dienten, im Laufe der Jahre zunehmend abgetragen und schließlich durch die Betonmauer ersetzt wurden.

Das Konzept RESTE IM GEHWEG schlägt vor, diese ebenerdigen Fragmente der Häuser (Kellerlichtschächte, Torschwellen, Installationsschächte) zu erhalten und im Zuge der Neubebauung des Mauerstreifens im erweiterten, Gehweg sichtbar zu machen.

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