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DAS
PANEUROPÄISCHE PICKNICK UND DIE GRENZÖFFNUNG |
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AM
11. SEPTEMBER 1989 |
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Die Geschichte
des Paneuropäischen Picknicks von der Idee bis zur Verwirklichung ist
sehr lehrreich. Die Zusammenhänge, die Ereignisse und das Gewicht der
Folgen kann man tatsächlich nur dann verstehen, wenn man die Zeit und
die Zusammenhänge der damaligen Politik wiederaufleben läßt,
die heute für viele schon langsam in Vergessenheit geraten sind. Es
lohnt sich, auch die Geschichte des „Eisernen Vorhanges“ kurz
zu streifen. Paneuropäisches |
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Vorgeschichte |
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Die 246 km
lange, sogenannte Sicherungsanlage vom Typ „SZ-100“
– der „Eiserne Vorhang“ – wurde aufgrund einer Entscheidung
des Politkomitees der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (MSZMP)
vom 11. Mai 1965 in den Jahren zwischen 1965 und 1971 errichtet.(1) Dadurch
wurde das schon 1949 direkt an der österreichischen Grenze gebaute
und mit Minenfeldern versehene Stacheldrahtsystem ersetzt. János
Székely, Landes-Kommandant der Grenzwache, wies 1987 in einem für
das Innenministerium erstellten Bericht auf zahlreiche Probleme des Systems
hin.(2) Neben den immer häufiger auftretenden technischen Problemen
erwähnte er auch jenen grotesken Umstand, daß der Nachschub an
rostfreiem Draht nur durch Westimporte sichergestellt werden konnte, weil
nämlich die Sowjetunion die weitere Produktion des errichteten Systems
eingestellt hatte. Das aber bedurfte einer bedeutenden Menge an Devisen.
Innenminister István Horváth teilte 1988 in einem Interview
mit, daß „... an bestimmten Stellen der Staatsgrenze noch
das Zubehör und die Anlagen aus alten Zeiten vorhanden sind“
und wies darauf hin, daß es an der Zeit sei, die technische Grenzabriegelung
abzubauen.(3) Staatsminister Imre Pozsgay, Mitglied des Politkomitees der
MSZMP, erklärte am 26. Oktober 1988 in Gy?r: „Die elektrischen
Sicherungsanlagen sind moralisch, technisch und politisch veraltet.“(4)
Am 24. November 1988 löste Miklós Németh den Ministerpräsidenten
Károly Grosz in seinem Amt ab. Innenminister István Horváth
erstellte zum Jahreswechsel 1988/89 für das Politkomitee der MSZMP
einen Bericht, der den Abbau der Sicherheitsanlagen anpeilte.(5) Das Politkomitee
erteilte dem Bericht am 28. Februar 1989 seine Zustimmung.(6) Die Landeskommandantur
der Grenzwache erstellte am 9. März 1989 einen „Aufgabenplan“
für den Abriß; die Probe dazu fand am 18. April 1989 während
einer streng geheimen Übung statt.(7) Der offizielle Beginn des Abrisses
wurde am 2. Mai 1989 auf einer internationalen Pressekonferenz
in Hegyeshalom vor zweihundert in- und ausländischen Journalisten kundgetan.(8)
An diesem Tag wurden die elektrischen Meldeanlagen für immer abgeschaltet.
Die Außenminister Alois Mock und Gyula Horn zerschnitten den „Eisernen
Vorhang“ am 27. Juni 1989 demonstrativ, in feierlichem
Rahmen. Zu diesem Zeitpunkt war der Abriß schon in großem Tempo
vorangeschritten.(9) Als Frist für die Beendigung der Arbeiten wurde
der 1. Januar 1991 gesetzt. Gleichzeitig begannen die rumänischen Behörden
am 21. Juni 1989 mit dem Bau eines Stacheldrahtzaunes an der rumänisch-ungarischen
Grenze, und am Grenzstreifen wuchs die Zahl der von den Grenzsoldaten erschossenen
Flüchtlinge!
Zehn Jahre danach erscheint der Abriß des „Eisernen Vorhanges“
als ein überaus idyllisches politisches Ereignis, was aber so nicht
zutrifft. Tatsache ist, daß einige Aufgeklärte in der höchsten
politischen Führung – oder besser: einige real denkende Personen
– versuchten, in Richtung Westeuropa Politik zu machen und Vorbereitungen
auf die zu erwartende Umorientierung zu treffen, was aber nicht bedeutete,
daß diese Politiker – was die Zukunft betraf – unwiderrufbar
die damaligen politischen Abläufe beherrschen konnten. Der sogenannte
„Reformflügel“ war innerhalb der MSZMP nämlich wahrscheinlich
in der Minderheit. Nur die internationale politische Situation, die Person
und Politik Michail Gorbatschows, die Aktivität der politischen Gegner
und der steigende Druck der Gesellschaft verhinderten es, daß die
Reformer das Schicksal von Imre Nagy, Alexander Dub?ek oder Lech Walesa
erlitten.
Wir sollten nicht vergessen, daß zwar die mündlich getätigten
Äußerungen eindeutig günstige Veränderungen suggerierten,
daß aber – wir schrieben 1989 – die Gewerkschaften des
vergangenen Systems noch organisatorisch unberührt waren, wie unter
anderem die Abteilung III/III und die Arbeitermiliz, und auch die alten
Gesetze nach wie vor gültig waren.
Theoretisch wäre jede Tätigkeit der sich damals formierenden,
außergesetzlichen Opposition strafbar gewesen. Das traf auch auf die
Organisation des Paneuropäischen Picknicks
zu, die man auch als „Hilfeleistung zum verbotenen Grenzübertritt“
hätte bewerten können. Oder denken wir nur daran, welchen Skandal
die Äußerung von Imre Pozsgay hervorrief, man müßte
die Ereignisse von 1956 als Volksaufstand bewerten. Man sollte auch nicht
vergessen, für wie viele Menschen die Wende ein „Alptraum“
darstellte, da sie sich vor Retorsionen fürchteten, bzw. wie viele
Menschen meinten, daß sie damit ihre Position, ihre Macht und ihre
Privilegien verlieren würden. Richtig ist aber auch, daß man
trotz der unglaublichen Unsicherheit und trotz der Wende der politischen
Lage, in dieser bis zum Bersten angespannten politischen Situation, darauf
hoffen konnte, daß jetzt in Osteuropa die Möglichkeit zu einer
wirklich grundlegenden und endgültigen Umgestaltung der Politik gegeben
war.
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Die
Geburt der Idee |
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In dieser
undurchsichtigen, nicht durchschaubaren, noch vor der „Kristallisierung“
stehenden angespannten Lage wurde die Idee des Paneuropäischen
Picknicks geboren. Ereignisse, bei denen eine Idee personengebunden
ist, sind selten. Das Paneuropäische Picknick ist ein solches Ereignis.
Ferenc Mészáros, damals in Debrecen zu Hause, heute wohnhaft
in Sopron, hatte diesen Gedanken am 20. Juni 1989 in Debrecen, auf einem
Empfang nach einem Vortrag von Otto Habsburg in Debrecen. Bei Tisch wurde
mit Habsburg darüber gesprochen, daß trotz aller günstigen
Aussichten die Berliner Mauer unangetastet stehe, ebenso wie der Eiserne
Vorhang an der innerdeutschen Grenze und auch an der Westgrenze der Tschechoslowakei.
Ferenc Mészáros war der Meinung, daß sie ihr Gespräch
an der ungarischen Grenze zu Österreich weiterführen sollten,
wo sie an der tatsächlichen Grenzlinie im Rahmen eines Picknicks bei
einem Lagerfeuer Speck braten wollten, und zwar dergestalt, daß ein
Teil der Gäste in Österreich, der andere Teil in Ungarn sitzen
und somit die Unterschiedlichkeit der an den Westgrenzen einzelner ost-europäischer
Länder herrschenden Zustände demonstriert werden sollte. Man erheiterte
sich an diesem Gedanken und ging zu einem anderen Thema über.
Am 30. Juni 1989 brachte Ferenc Mészáros seinen Plan auf einer
Vorstandssitzung des Ungarischen Demokratischen Forums (MDF) in Sopron erneut
ins Gespräch. Er wurde nur von Mária Filep ernst genommen. Da
Mária Filep der Meinung war, daß sich einige Mitglieder der
Opposition und die eines ehemaligen Herrschergeschlechtes nicht einfach
so an der Grenze treffen können, erweiterte sie den Kreis, es kamen
die Teilnehmer am von ihr organisierten „Lager der Schicksalsgenossen“
hinzu. (10) Ihrer Absicht zufolge hätte das Paneuropäische Picknick
die Abschlußveranstaltung des Lagers sein sollen. Mária Filep
legte bereits auf der folgenden Vorstandssitzung des MDF Pläne mit
dem Titel „Picknick am Eisernen Vorhang“ vor. Zeitpunkt sollte
der 20. August, Ort der Grenzübergang Fert?rákos sein. Als Schirmherren
für die Veranstaltung schlug sie Imre Pozsgay und Otto Habsburg vor.
Als Teilnehmer benannte sie das „Lager der Schicksalsgenossen“,
die Komitatsorganisation des MDF, den Landesvorstand des MDF, den Bund Junger
Demokraten (FIDESZ), den Bund Freier Demokraten (SZDSZ), den TDDSZ und den
Verband Ungarischer Pfadfinder.
Die Idee gefiel allein nur Ferenc Mészáros. Alle anderen hielten
sie aus Geld- und Zeitmangel, des weiteren wegen der großen Entfernungen,
für unausführbar. Schließlich stimmte man dem aber trotzdem
zu; Mária Filep und Ferenc Mészáros begannen mit der
Arbeit, in die sie auch den Landes-Klubrat mit einbezogen.
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Die
Organisation |
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Als erste
und schwierigste Aufgabe stellte sich die Kontaktaufnahme mit den beiden
Schirmherren dar.(11) Imre Pozsgay ließ im Zusammenhang mit dem Plan
sofort sein Wohlwollen wissen und am 10. Juli stimmte man sich telefonisch
auch schon mit Otto Habsburg ab. Am folgenden Tag, dem 11. Juli, erging
ein Schreiben an die persönliche Sekretärin der Familie Habsburg,
Erzsébet Gelsey, nach Wien. Zwischenzeitlich änderte sich der
Zeitpunkt für die Veranstaltung; diese sollte nun am 19. August 1989
stattfinden, um eine Überlappung mit dem Staatsfeiertag zu vermeiden,
und man gab der Veranstaltung endgültig den Namen Paneuropäisches
Picknick.(12)
Als die zustimmende Antwort der Schirmherren vorlag, versuchte man mit voller
Kraft den Kontakt mit einer der MDF-Organisationen an der Grenze aufzunehmen.
Von Béla Szabó und Lajos Torma, den Landesorganisatoren des
MDF, erhielt man die Adressen. Zuerst schrieb man nach K?szeg, erhielt aber
keine Antwort. Schließlich sandte Mária Filep das Schreiben
am 15. Juli 1989 an das MDF Sopron, an László Magas. Mittlerweile
hatte man auch die Telefonnummern von Pál Csóka und Felix
?rs besorgt und den Kontakt hergestellt. Das MDF Sopron berief sofort eine
Mitgliederversammlung ein. Mehrere Mitglieder äußerten sich skeptisch,
da schon die zweite Julihälfte angebrochen war und sich wegen der Urlaubszeit
nur wenige Mitglieder in Sopron aufhielten. Viele waren deshalb besorgt,
daß sich unter solchen Umständen das Picknick nicht auf würdige
Weise veranstalten ließe.
Da zu diesem Zeitpunkt der Runde Tisch der Opposition in Sopron (MDF, SZDSZ,
FIDESZ, Unabhängige Partei der Kleinen Landwirte (FKGP) wirklich gut
funktionierte und es ein ungeschriebenes Gesetz war, daß alle Veranstaltungen
gemeinsam organisiert wurden, ergab sich automatisch die Idee, daß
sich das MDF mit den drei anderen Partnerorganisationen zusammen an die
Arbeit machte. Die Parteien schlossen sich der Idee sofort an und man begann
mit der Orga-nisation. Schon am 31. Juli 1989 traf man sich mit Mária
Filep in Sopron. Am folgenden Tag, dem 1. August 1989, gab es in der Wohnung
von Pál Csóka eine ins Detail gehende Besprechung, an welcher
der Zeitungsreporter Soproni Horváth Lajos teilnahm, der über
das Ereignis berichtete.(13) An diesem Tag konnte mit Hilfe der Grenzwache
im Rahmen einer Begehung der Ort für die Veranstaltung ausgewählt
werden.
Mögliche Veranstaltungsorte wären der Fußballplatz in Brennbergbánya,
das Plateau in Harka bzw. andere offene Flächen, hauptsächlich
im Raum Nagycenk und Kópháza gewesen. Schließlich entschied
man sich wegen der Nähe zum abzubauenden Eisernen Vorhang für
Sopronpuszta. Auf diesen Standort machten Géza Bánóczy
und Géza Erdélyi aufmerksam. Natürlich gab es Diskussionen
und Meinungsverschiedenheiten. Unsere Debrecener Freunde waren enttäuscht,
dachten sie doch, daß sich der „Eiserne Vorhang“ genau
auf der Grenzlinie befände, aber dort gab es nur einen Drahtzaun wegen
des Wildwechsels. Die Anlage mit der Bezeichnung SZ–100
befand sich 500 – 2.000 Meter von der Grenze entfernt.(14)
Schließlich gelang es, sich in allen Fragen zu einigen und auch die
Aufgaben konnten festgelegt und verteilt werden.
Die Hauptorganisatoren in Sopron waren László Magas (MDF)
und Zsolt Szentkirályi (SZDSZ). Die MDF-Mannschaft konzentrierte
sich vor allem auf die Beschaffung der Genehmigungen und die Organisation
der Grenzöffnung, während sich die Garde des SZDSZ um die Fertigstellung
des Propaganda- und Druckereimaterials kümmerte. Der FIDESZ nahm wegen
der Sommerferien der Studenten nur mit einer Drei-Personen-Gruppe (Ferenc
Ivanics, Szabolcs Vigh, Ferenc Vecsera) – einer kleinen, aber sehr
fleißigen Gruppe – teil. Die frisch gegründete, winzige
Organisation der FKGP arbeitete unter Leitung des sehr aktiven Andor Komlós.
Zuerst wurde ein guter Slogan benötigt. Zwei fand man! Der Aufruf aus
der Einladung „Baue ab und nimm‘ mit!“ war die Idee von
János Rumpf. Der Aufruf „Statt Dorfzerstörung Mauerabbruch!“
– mit Beziehung zur Zerstörung rumänischer Dörfer und
zur Beseitigung der Berliner Mauer – stammte von Pál Csóka.
Das Plakat hierzu entwarf der Dekorateur György Kerekes.(15)
Wegen der nicht eindeutigen rechtlichen Situation war es nicht einfach zu
bewerkstelligen, daß die Teilnehmer des Picknicks sich ein Stück
Draht aus dem „Eisernen Vorhang“ würden abschneiden können.
Wir wußten nicht einmal, mit wem wir diesbezüglich verhandeln
sollten, war doch die Anlage rein theoretisch schon abgebaut. Das Staatsgut
Sopron jedoch plante für Sopronpuszta einen Wildpark und auf dessen
Ersuchen beließ die Grenzwache in diesem Abschnitt den Drahtzaun.
Péter Horváth, damaliger Direktor des Staatsgutes, erlaubte
großzügigerweise den Abbruch der „paar Meter“ Drahtzaun,
die spätere Wiederherstellung wurde von den Organisatoren versprochen.
Was dies betrifft und auch in allen anderen Belangen zeigte sich István
Frankó, Kommandant des Soproner Grenzwachbezirkes, sehr hilfsbereit.
Mit ihm hatte der Runde Tisch der Opposition schon früher gute und
korrekte Kontakte geknüpft. In dieser politischen Situation war das
selten und István Frankó zog deshalb auch die Mißbilligung
der damaligen Obrigkeit auf sich.
Parallel zu diesen Arbeiten lief auch die Arbeit in Debrecen. Die Landespropaganda
in der Presse wurde von Gábor Turi, Zsolt Porcsin und Tibor Krecz
organisiert. Das Emblem des Picknicks erblickte die Welt: eine den Stacheldraht
durchbrechende weiße Taube. Es ist die graphische Arbeit von Ákos
Varga, der auch die Plakate unentgeltlich im Siebdruck herstellte. Die Debrecener
übernahmen die Beschaffung der zum Speckbraten gehörenden Lebensmittel,
wie Brot, Speck, Paprika und Erfrischungsgetränke, den Druck des Aufrufes
in 5.000 Exemplaren, des weiteren die Herstellung von Picknick T-Shirts.
Das alles wurde mit Hilfe von Sponsoren von Lórántné
Ferenczy, Imre Hernyák, László Engi, und Lukács
Szabó geschafft. Es konnten zwei Busse gestellt werden, mit denen
die Organisatoren und Teilnehmer nach Sopron reisten. (Einer wurde Mária
Filep leihweise kostenlos vom Direktor ihres Betriebes zur Verfügung
gestellt, der andere László Engi von einem Unternehmer aus
Debrecen).
Am 4. August 1989 schickten wir die Landkarte vom endgültigen Ort der
Grenzöffnung mit Hilfe von Sándor Balogh nach Debrecen.(16)
Imre Pozsgay teilte noch am selben Tag mit, daß er sich auf dem Picknick
von László Vass, seinem Sekretär, vertreten lassen werde.
Kurz danach stellte sich heraus, daß in Vertretung von Otto Habsburg
seine Tochter Walburga von Habsburg nach Sopron-puszta kommen würde.
In Sopron arbeitete man an der Gestaltung des Veranstaltungsortes, liefen
die Abstimmungsgespräche mit der Grenzwache und den betroffenen Behörden.
Am 10. August führten die Zuständigen seitens der Veranstalter,
der Stadt und der Fachbehörden (Stromwerke, Wasserwerke, Grenzwache,
Amtsarztdienst, LFMK, Verkehrsbetriebe, usw.) eine Ortsbegehung durch. Tamás
Stöckert faßte dies im Rathaus in einem Protokoll zusammen. Auf
dieser Ortsbegehung wurden den Veranstaltern die zur Erfüllung stehenden
Bedingungen vorgegeben. Es kam der Gedanke auf, daß in der Nähe
ein Grenzübergang provisorisch geöffnet werden sollte, um die
Teilnahme österreichischer Gäste zu fördern. Das war jedoch
nicht Teil des ursprünglichen Konzepts. László Magas
schlug vor, die Grenze auf der alten Preßburger Straße, Richtung
St. Margarethen, wo es seit 1948 keinen Grenzübergang mehr gab, zu
öffnen. Dort gab es ein Holztor, verschlossen mit Kette und Vorhängeschloß.
Nicht einmal der Schlüssel für das Schloß war aufzufinden!
Die provisorische Grenzöffnung mußte in beiden Ländern bei
den zuständigen Behörden beantragt werden. Auf ungarischer Seite
ging das dank der wirkungsvollen Hilfe von Imre Pozsgay recht schnell. Von
ihm bekam Mária Filep die Namen und Telefonnummern der kompetenten
Leute, die die Genehmigung erteilen konnten. Schließlich wurde die
Genehmigung aufgrund der Abstimmung zwischen höchstrangigen Leitern
der Grenzwache erteilt: die ungarische Grenze durfte am 19. August zwischen
15.00 und 18.00 Uhr an der ausgewählten Stelle, auf der alten Preßburger
Landstraße, provisorisch geöffnet werden.
In Österreich jedoch verfügten wir über keinerlei Kontakte;
die Organisatoren wußten nicht, wie um eine Grenzöffnung nachgesucht
werden mußte. Pál Csóka erhielt die Aufgabe, irgendwo
im Burgenland einen Partner zu finden, der behilflich sein konnte. Nachmittags
befuhr er die umliegenden Dörfer und Städte, um eine Organisation,
Politiker oder ein anderes amtliches Organ zu finden, welches bereit wäre,
Hilfestellung zu leisten.
Acht Tage vor der schon öffentlich angekündigten, aber tatsächlich
noch nicht organisierten Grenzöffnung traf er auf den damaligen Bürgermeister
von St. Margarethen, Andreas Waha. Ein Streifenpolizist half ihm den Weg
zu finden. Herr Waha war nämlich gerade mit der Eröffnung der
St. Margarethener Weintage beschäftigt. Der Bürgermeister fand
die Idee unglaublich, hielt aber den Plan wegen der nur noch verbleibenden
acht Tage für unausführbar. Als er aber das komplett fertige Informationsmaterial
sah, die bereits hergestellten deutschsprachigen Plakate und Informationszettel,
kam Begeisterung auf. Daß zur Eröffnung der Weintage ein großer
Teil der politischen Führung des Burgenlands anwesend war, kam uns
auch zugute und der Bürgermeister ließ Pál Csóka
an seinen Tisch rufen. Die sich zufälligerweise dort aufhaltenden Amtsträger
erklärten die Vorgehensweise und versprachen ihrerseits schnelle Erledigung.
Ihren Ratschlägen Folge leistend schrieb Gábor L?rincz im Namen
des Soproner MDF zwei deutschsprachige Ersuchen: Eins am 14. August an die
Adresse der Burgenländischen Sicherheitsdirektion, ein weiteres am
17. August an die zuständige Zollkommandantur. Wegen der Kürze
der Zeit wurden die Ersuchen, versehen mit den entsprechenden Gebührenmarken,
von Gábor L?rincz gemeinsam mit Zoltán Horváth persönlich
übergeben. Im Hintergrund war Herr Waha ununterbrochen damit beschäftigt,
in der Angelegenheit Grenzöffnung Telefonate zu führen, da unter
Einhaltung des Dienstweges keine der erforderlichen Genehmigungen hätte
erteilt werden können. So wurde die Grenze am Ende von den österreichischen
Zöllnern nur aufgrund der telefonisch, mündlich erteilten Bewilligung
geöffnet, da der schriftliche Befehl am 19. August noch nicht eingetroffen
war.(17)
Aufgrund der vorher getroffenen Vereinbarung zwischen der österreichischen
und ungarischen Grenzwache hätten nur die ungarischen und österreichischen
Personen die Grenze überschreiten dürfen, die auf den von den
Organisatoren übergebenen Listen aufgeführt waren. Außer
der Erledigung der offiziellen Erfordernisse informierte Herr Waha aber
„so nebenbei“ noch die ganze Region Neusiedler See. Erst am
Tag des Picknicks war das Ergebnis dieser Aktion sichtbar, denn die Öffnung
der Grenze nach 41 Jahren brachte auf österreichischer Seite eine einer
Völkerwanderung ähnliche Bewegung in Gang, die den vorgesehenen
Übertritt der ungarischen Delegation unmöglich machte.
Die heimische Propagandamaschinerie arbeitete trotz der primitiven Möglichkeiten
und der geringen Zahl an Organisatoren hervorragend. Gábor Turi in
Debrecen besorgte die Adressenliste der Auslandsvertretungen in Ungarn und
25 Botschaften erhielten das Programm und Informationsblatt zusammen mit
einer Landkarte in englischer Sprache. Radio Freies Europa warb für
das Ereignis. (18) Durch das Einschreiten von Tibor Krecz veröffentlichte
auch die Magyar Nemzet eine Meldung über das Picknick.(19) Unzählige
unterstützende Briefe trafen ein. Der Rákóczi Szövetség,
der Komárom Megyei Sprint Futókör, die Széchenyi
Gesellschaft, der Verband Christlicher Intellektueller, Ágnes Huszár
Várdy aus Pittsburgh in den Vereinigten Staaten und noch viele andere
meldeten ihre Teilnahme am Fall des „Eisernen Vorhanges“ an.
Eine nach der anderen melde-ten sich auch die westlichen Fernsehstationen,
SAT 1, ORF usw. In der Wohnung von László Magas in Sopron
gaben sich in den letzten zwei, drei Tagen die Fernsehstäbe die Klinke
in die Hand. Alle wollten an die Grenze gebracht wer-den, denn man war auf
die um 15 Uhr herrschenden Lichtverhältnisse neugierig. Die Anwesenheit
der europäischen Fernsehgesellschaften war noch nicht so überraschend;
als jedoch ein Drehteam aus Neuseeland auftauchte, war das schon mehr als
auffällig. Vielleicht ebenso wie die Uninteressiertheit und das Fernbleiben
unseres staatlichen Fernsehens!
Die Handvoll Personen aus dem Organisationsteam waren jede Minute mit der
Erledigung der zahlreichen kleinen – aber doch viel Energie kostenden
– Angelegenheiten des Picknicks beschäftigt.(20) Ganz besonders
achteten die Veranstalter darauf, die behördlichen Vorschriften einzuhalten.
Jeder wußte, daß eine solche Veranstaltung unter Berufung auf
politische Gründe eigentlich nicht mehr verboten werden konnte. Es
war aber zu befürchten, daß unter Bezug auf eine Verletzung irgendeiner
behördlichen Vorschrift man das doch noch tun könnte.(21) Unsere
Freunde aus Debrecen kamen am 17., 18. und am Morgen des 19. August gruppenweise
an und halfen bei den noch ausstehenden Arbeiten. Noch am letzten Tag war
Holz beschaffen und Äste einsammeln angesagt, wurden Zelte aufgestellt,
eine Bühne gezimmert, die Verstärker aufgestellt. Dann richtete
Gábor Hámori die Straßenhinweisschilder her. Damit waren
alle Vorbereitungsarbeiten beendet. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich schon
zahlreiche DDR-Staatsbürger in der Stadt auf, die nicht zufällig
nach Sopron gereist waren – wovon aber die Organisatoren herzlich
wenig wußten!
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Die
Ereignisse des „Großen Tages“ |
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Das offizielle
Programm begann am 19. August 1989 um 14.00 Uhr mit einer internationalen
Pressekonferenz auf der Terrasse des Hotel L?vér. Daran nahmen seitens
der Organisatoren Mária Filep, László Magas, Ferenc
Mészáros, László Nagy, Zsolt Szentkirályi
und als Gast der Parlamentsabgeordnete Dezs? Szigeti teil. Die Reden wurden
in ungarischer, deutscher und englischer Sprache gehalten. Zahlreiche internationale
Pressereporter beobachteten die Vorgänge. Im Namen der gesamten ungarischen
Presse waren Ottó Albinéri, Reporter des „Határ?r“
und Soproni Horváth Lajos, Berichterstatter des „Magyar Hírlap“
anwesend. Da László Vass, in Vertretung des Abgeordneten Imre
Pozsgay, verspätet eintraf, sich die Pressekonferenz auch wegen der
vielen Fragen und der Übersetzungen in zwei Sprachen – englisch
und deutsch – hinzog, trafen die Teilnehmer nicht wie geplant um 15.00
Uhr an der Grenze ein. Es muß so gegen Ende der Pressekonferenz um
14.57 Uhr gewesen sein, als der Durchbruch geschah.
Der Bus mit den Presseleuten, angeführt vom Verfasser dieser Zeilen,
erreichte die Grenze etwa zwischen 15.30 und 15.40 Uhr, die wir aber nur
bis auf 100 Meter Entfernung anfahren konnten, da man wegen der aus Österreich
eintreffenden – erwarteten – Gäste und der aus den Maisfeldern
strömenden – unerwarteten – Gäste schon nicht mehr
näher herankam! Programmgemäß hätte die mit dem Bus
eintreffende Delegation die Grenze zu Fuß überschreiten und zum
Marktplatz von Margarethen gehen sollen, wo Bürgermeister Andreas Waha
und Pál Csóka zum Empfang der Delegation mit dem örtlichen
Blasorchester bereit standen. Anschließend wären wir gemeinsam
zurück zur Grenze, dann nach Sopronpuszta, zum Ort des Picknicks, gegangen,
wo das offizielle Programm geplant war. Das war vollkommen unmöglich,
an der Grenze herrschte das Chaos. Solche Massen ließen sich einfach
nicht lenken, aber es war auch unmöglich, sich darauf vorzubereiten,
da wirklich niemand mit einem derartigen Interesse hatte rechnen können.
Das Durcheinander steigerte sich noch durch jenes unerwartete Ereignis,
welches alles auf den Kopf stellte und woran sich der damals am stärksten
betroffene Oberstleutnant Árpád Bella, örtlicher Kommandant
des provisorischen Grenzüberganges, folgendermaßen erinnerte:
„Dann trafen die österreichischen Kollegen ein, und ich besprach
mit meinem Freund Johann Göltl, wie wir uns den Grenzübertritt
der Delegationen vorgestellt hatten. Wir unterhielten uns und warteten.
Ein paar Minuten vor der für 15.00 Uhr geplanten Ankunft erschien auf
dem etwa 100 Meter weit einsehbaren Straßenabschnitt eine Gruppe von
Fußgängern, von der sich beim Näherkommen herausstellte,
daß es mit Sicher-heit nicht die Delegation war, sondern vermutlich
eine Gruppe aus der DDR. Ich ging ihnen in Richtung Tor entgegen. Aus der
ersten Kommunikation wurde ersichtlich, daß sie sich in Richtung Österreich
entfernen wollten. Für weitere Fragen und Antworten ließen sie
uns keine Möglichkeit, sie drückten die Torflügel ein, rannten
wie der Blitz an uns vorbei und verursachten ein großes Durcheinander.
In Rekonstruktion der Ereignisse muß ich sagen, daß das Erscheinen
der DDR-Bürger ebenso unerwartet wie voraussehbar war. Vorher war ständig
darüber spekuliert worden, ob die mit dem Fernschreiben vom 17. August
angekündigte Menge tatsächlich bei der Veranstaltung auftauchen
würde oder nicht. Wenn sie trotz des entschiedenen Dementis von oben
dennoch kommen würde, wäre nämlich offensichtlich gewesen,
daß wir sie mit fünf Paßabfertigern gemäß unserer
Anweisung weder anhalten noch aufhalten können würden. Wenn diese
Menge den Versuch machen würde, aus zwei, drei Metern Entfernung die
Grenze zu überwinden, hätten bei jedem Versuch der Verhinderung
die Frustration und die emotionalen Spannungen sehr leicht zu gewaltsamen
Handlungen führen können.
Gewalt erzeugt Gegengewalt, und diese erzeugt Panik. Wie wir wissen, ist
ei-ne Panik nicht beherrschbar. Ob man es wollte oder nicht, würden
Bewaffnete und Unbewaffnete aneinandergeraten, wobei in der Regel der Unbewaffnete
den Kürzeren zieht. Nicht umsonst schreibt die Fachliteratur, daß
es zur Aufrechterhaltung der Ordnung bei Massenbewegungen einer Schule der
Toleranz, des Verständnisses und des Dialoges bedarf.
Die Zeit gab uns recht. Was wir taten und was wir nicht taten, wird hier
und jetzt auf diesem Treffen vermutlich auf allgemeine Billigung und Zustimmung
stoßen. Der Ehrlichkeit halber muß ich aber anmerken, daß
es nicht mit Sicherheit so kommen mußte, wie es dann kam.
Unter normalen Umständen wäre es nicht gut, wenn in einem freien,
demokratischen Rechtsstaat Oberstleutnante der Grenztruppen solche Dinge
entschieden, denn dann gäbe es keine Ordnung und das Recht hätte
keine Geltung. Damals im August 1989 aber herrschten andere Zeiten.“
(22)
Die Flüchtlinge aus der DDR trafen nach dem Abflauen der ersten Welle
ununterbrochen in Gruppen, als Familie, aber auch einzeln am Grenzübergang
ein. In dem ganzen Durcheinander führten die ungarischen Grenzsoldaten
die Paßkontrolle der österreichischen Pässe anders als vereinbart
durch, indem sie mit dem Rücken zur ungarischen Seite standen. Die
Flüchtlinge strömten, die ungarischen Grenzsoldaten von hinten
umgehend – manchmal wurden sie fast umgestoßen –, über
die Grenze. Die österreichischen Gäste ergaben sich ihrem Schicksal
und machten den Flüchtlingen höflich einen Gang in Richtung St.
Margarethen frei. Als Andreas Waha und Pál Csóka von den Ereignissen
erfuhren, eilten sie zur Grenze. Als der Bürgermeister sah, was geschah,
fuhr er sofort zurück ins Dorf und bat Pensionen und Restaurants telefonisch
um Hilfe für die Unterbringung und Verpflegung der Flüchtlinge;
ihnen sollte zudem die Möglichkeit eingeräumt werden, zu telefonieren:
die Kosten hierfür übernahm die Gemeinde. Er telefonierte mit
der BRD-Botschaft in Wien und in Abstimmung mit ihr bestellte er Busse für
den Transport der deutschen Bürger. Die Busse brachten die Flüchtlinge
nach Wien und noch am selben Tag ins Aufnahmelager nach Gießen, da
sie zum Teil schon mit einem gültigen Reisepaß der BRD (!) nach
Ungarn eingereist waren.
Die Organisatoren an der Grenze entschieden, daß – geschehen
war geschehen – das Programm weitergehen sollte und machten sich gemeinsam
mit der Delegation auf den Weg nach Sopronpuszta. Dort hatten mehrere Organisatoren
die Nachricht schon aus dem Radio vernommen, denn auf dem riesigen Areal
standen die bis dahin dreißig Personen ziemlich verloren. Mobilfunk
gab es noch nicht. Ein CB-Radio hatten wir nicht, nicht einmal ein Feldtelefon.
Niemand begriff, daß hier Geschichte geschrieben wurde. Als Teil des
offiziellen Programms hielten Walburga von Habsburg und László
Vass im Namen der Schirmherren ihre Reden. Die Teilnehmer am „Lager
der Schicksalsgenossen“ verlasen den Aufruf der Organisatoren in acht
Sprachen, es sprach György Kon-rád („Gedanken im Grenzland“),
sowie Klaus Lange und Vinzenz von und zu Liechtenstein im Namen der Paneuropa
Union.
Den Brief von László T?kés, den er selbst Anfang August
über die Grenze geschmuggelt hatte, verlas Lukács Szabó.
Im Verlauf des offiziellen Programms konsultierten sich die Organisatoren
laufend gegenseitig sowohl auf dem Podium als auch im Gelände. Es ging
um die zu erwartenden Folgen. Da ich die Reden der ausländischen Gäste
zu übersetzen hatte, konnte ich nicht vom Podium weg, wußte aber
über alle Entwicklungen Bescheid, denn die Nachrichten erreichten uns
und wir gaben die auf der Bühne geführten Gespräche an die
anderen weiter. Ich erinnere mich, György Konrád nach seiner
Meinung gefragt zu haben, ob uns nun Gefängnis drohe, nicht wegen des
Picknicks, sondern so allgemein. Ob es uns nicht so gehen würde wie
den 56-ern, oder den Tschechen 1968 oder wie Walesa und seinen Anhängern?
Ich erinnere mich Wort für Wort an seine Sätze. György Konrád
sagte: „Ich meine, daß wir diesmal vielleicht eine Chance haben,
daß vielleicht wirkliche Änderungen kommen und die Möglichkeit
besteht, daß wir um das Gefängnis herumkommen!“ Während
einer Rede, die ich nicht zu übersetzen brauchte, fragte mich der Berichterstatter
der „Welt“, Carl-Gustav Ströhm: „Was passiert mit
Ungarn?“ Ich antwortete, daß es sich in ein, zwei Jahren herausstellen
würde, ob wir an die Regierung kämen oder im Gefängnis landeten!
Das machte ihm großen Spaß, bis heute erwähnt er es. (23)
Natürlich war ich überhaupt nicht so ruhig, wie ich es ihm zeigte.
Niemand wußte, wie die Fortsetzung der Grenz-Geschehnisse aussehen
würde. Auf jeden Fall ließ der hochrangige Zuständige der
Grenzwache László Magas noch am selben Nachmittag wissen:
„Davon war nicht die Rede! Das hat sicher noch ein Nachspiel!"
– uns allen damit Mut zusprechend. Derjenige, der uns aber wirklich
beruhigte, war László Vass. Er verlor nicht die Geistesgegenwart,
obwohl er an der Veranstaltung als Leiter des Sekretariats des Staatsministers
Imre Pozsgay, im Rang eines stellvertretenden Ministers, mithin als Staatsbeamter
im höchsten Rang, teilnahm. Er konsultierte sofort die Grenzwache und
versicherte uns, uns vor allen späteren Retorsionen zu schützen.
Er gab uns die geheime Nummer von Imre Pozsgay, verteilte auch seine eigene
Visitenkarte, und auch in seiner kurzen Rede verwies er auf die Ereignisse
an der Grenze.
So verlief die Veranstaltung gemäß dem ursprünglichen Programm
weiter, unter Teilnahme von László Vass, der fast zum Helfershelfer
wurde. Die mehreren tausend Gäste des Volksfestes kümmerten sich
wenig um die im Hintergrund laufenden Diskussionen – die nicht sehr
zur Kenntnis genommen wurden – und hielten gutgelaunt ihr Picknick
ab. Pörkölt wurde gekocht, Wurst und Speck gebraten, es flossen
Bier und Wein, alles was gut und teuer ist, während der Zaun auf Kilometerlänge
abgerissen wurde, den Slogan „Baue ab und nimm‘ mit“ ganz
wörtlich nehmend. Bis dann der Himmel seine Schleusen öffnete.
Das Picknick hätte wahrscheinlich bis zum Morgen gedauert, aber die
himmlischen Mächte mit Donner und Regengüssen machten dem ein
Ende. Ich stieg schnell ins Auto und fuhr nach Hause. Da bemerkte ich, daß
entlang der bis zum Gefängnis in K?hida führenden Straße
Massen an verlassenen Trabants und Wartburgs mit DDR-Hoheitszeichen parkten.
Diese würden wohl von ihren Besitzern nicht wieder abgeholt werden.
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Nachspiel |
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Am darauffolgenden
Tag trafen sich Gäste und Organisatoren bei einem Mittagessen im Hotel
L?vér. Hier wurde es zum ersten Mal ausgesprochen, von Árpád
Fasang jun., daß „am 19. August in Sopronpuszta Geschichte geschrieben
worden sei.“ Über die Folgen jedoch war sich niemand im klaren.
Vielleicht wußte der Offizier der Grenzwache mehr, neben den ich mich
aus taktischen Gründen setzte, um ihn ausfragen zu können. Auf
meine Frage, was mit uns passieren würde, antwortete er: „Wir
bekommen von Budapest per Telex einen ,blinden‘ Verweis, den wir in
der Schublade ablegen!“ Ich erfuhr, daß ein „blinder“
Verweis zwar erteilt, aber als nicht vorhanden betrachtet wird, so wie eine
Blindgängergranate, die zwar geworfen wird, aber nicht explodiert!
Auch der am Nachmittag eintreffende Adam Michnik spürte, daß
eine große Sache geschehen war. Er bedauerte es, nicht am Vortag gekommen
zu sein und harrte unnachgiebig aus, solange es ihm nicht gelungen war,
János Rumpf sein Picknick T-Shirt als Reliquie abzuschwatzen!
Die westliche Presse verbreitete die Nachrichten; die nicht einmal vor Ort
anwesende ungarische Presse berichtete aus zweiter Hand. Es erscheint lächerlich,
aber die Népszabadság schrieb unter Bezugnahme auf ihren Bonner
Be-richterstatter über das Picknick. Das Blatt berichtete am 21. August
in einer Zusammenfassung auf der dritten Seite über die Ereignisse.
Zwei Drittel des Artikels bestanden aus dem Bericht des Bonner Berichterstatters:
„Nach Berichten von vor Ort anwesenden westdeutschen Reportern wurde
am Samstag anläßlich eines Treffens unter der Bezeichnung Paneuropäisches
Picknick in der Nähe von Sopron ein Grenzabschnitt geöffnet, um
die Besucher aus Österreich und andere Gäste ungestört empfangen
zu können. Das nutzten mehrere hundert, vor Ort wartende DDR-Staatsbürger
…“ (24)
Der Gy?rer Stab der Fernsehnachrichten, kam – wie in jenem Jahr bei
allen oppositionellen Bewegungen üblich – auch dieses Mal zu
spät. Nach vier Uhr traf man ein, nahm in kurzen fünf Minuten
ein paar Bilder auf und entfernte sich wieder. In der Fernsehnachrichtensendung
konnte man nur für einen Moment die Massen sehen sowie einen leisen
Satz aus der Rede von Walburga von Habsburg hören. Die Berichterstattung
war nicht sehr informativ.
Wir machten jedoch auch gegenteilige Erfahrungen. Mit Hilfe der Presse gelang
es uns, auf interessante Ereignisse nach dem Picknick aufmerksam zu machen.
Einige Tage nach dem 19. August ließ die Grenzwache – unter
Hinzuziehung bewaffneter Arbeitermiliz – am Straßenabzweig Nagycenk
Autos mit dem Hoheitszeichen der DDR nicht weiterfahren und bewegte sie
zur Umkehr. Im Areal um Kópháza konnte man vor Gewehrknattern
nachts nicht schlafen. Da machten wir von der Telefonnummer von Imre Pozsgay
Gebrauch.
Mit seiner Hilfe gelang es uns, den Stab von Panorama unter Leitung von
György Kalmár nach Sopron zu bringen. Sie sendeten im Fernsehen
dann einen 24-minütigen, authentischen Bericht über die Zustände
in der Region Sopron. Vermutlich daraufhin wurde die Arbeitermiliz dann
abgezogen. Korrekte Berichterstattung konnten wir im Magyar Hírlap,(25)
im Soproni Hírlap(26), im Ötlet ’89 (27) lesen.
Aber was spielte sich im Hintergrund ab? Was geschah hinter den Kulissen?
Darauf wissen wir leider die Antwort noch nicht. Zur Klärung dieser
Fragen veranstaltete die „Stiftung Paneuropäisches Picknick 89“
zum zehnten Jahrestag im Pannonia Med Hotel am 18./19. August 1999 eine
Konferenz.(28) Als Motto der Konferenz wählten wir ein Zitat von Thomas
Sowell: „Die volle Wahrheit läßt sich auf zweierlei Weise
sagen: Namenlos oder nachträglich.“ Trotz allem stellte es sich
nicht eindeutig heraus, in welchem Ausmaß es eine internationale Abstimmung,
in östlicher oder westlicher Richtung, gegeben hat. War den ungarischen
Behörden die Durchbruchsabsicht der Deutschen bekannt? Was wäre
geschehen, wenn sich das Gleichgewicht der Macht zugunsten des orthodoxen
kommunistischen Flügels verschoben hätte? Was wäre gewesen,
wenn der Putsch gegen Gorbatschow zwei Jahre früher, im August 1989,
stattgefunden hätte? Man könnte Fragen über Fragen stellen,
da von den damals Zuständigen oft einander widersprechende Antworten
kommen. Wir hörten, daß Miklós Németh im Frühjahr
1989 mit Gorbatschow in Moskau „durch die Blume“ die geplanten
ungarischen Änderungen besprochen hatte.
Es war auch zu hören, daß die politische Führung bewußt
Imre Pozsgay und das Picknick unterstützt hatte, was für sie ein
Test war. Man war neugierig darauf, wie Berlin, Prag, Bukarest, Moskau reagieren
würden.(29) Aber was wäre mit den Organisatoren geschehen, hätten
die „befreundeten Länder“ nicht entsprechend reagiert?
Wenn es ein Test war, warum hatte man dann eben vergessen, Árpád
Bella zu informieren, denn alleine seine Soldaten hatten scharfe Munition?
Wenn geschossen worden wäre, dann gäbe es jetzt „an der
Grenze keine Erinnerungsstätte, sondern einen Pilgerort“ (Árpád
Bella) nicht zum Ruhme, sondern zur Schande Ungarns. Nach Aussage des ranghöchsten
Befehlshabers von Sopron „... war das so nicht besprochen gewesen“.
Er war vom Durchbruch nicht erfreut, hätte diesen lieber verhindert.
Mochten auch seine Vorgesetzten so gedacht haben? Wahrscheinlich, da eine
Exekutivkompanie in Bereitschaft war, bereit zum Einsatz von Waffen, Gummiknüppeln
und sonstiger Technik.(30) Gleichzeitig wurde vom Landeskommandanten aber
auch angeordnet, daß sich im Kreis von einem Kilometer keine Soldaten
in Uniform aufhalten dürften, da dies eine zivile Veranstaltung sei.(31)
So ist es schwer, einen verbotenen Grenzübertritt zu vereiteln!
Wenn das Picknick ein Test war und es keinerlei Reaktionen aus den erwähnten
Hauptstädten gab, warum mußte dann später noch geschossen
werden? Warum mußte Kurt-Werner Schulz sterben? (32) Wie konnte es
am 23. August zu den „Zusammenstößen in Kópháza
und Sopronpuszta“ kommen? Wer mobilisierte die Arbeitermiliz? War
das eine regionale Kompetenzüberschreitung oder ein Element des zentralen
Machtkampfes? Oder sollte nur Honecker beruhigt werden? Beobachtete hier
doch jeder jeden und alles. Eine Delegation der Berliner Stasi führte
Ende Juli an den Orten, die für das Picknick in Frage kommen könnten,
eine Ortsbegehung durch. Das erfuhren wir allerdings erst zehn Jahre danach.
Wenn am Nachmittag des 19. August alles wie geplant ablief, warum leitete
man dann ein Verfahren gegen Árpád Bella ein? Und: Wenn das
Verfahren eingeleitet wurde, warum wurde es nicht abgeschlossen? Läuft
es noch immer? Es scheint, als ob der zentrale Wille die Adressaten nicht
immer erreicht hätte. Durfte aus Vorsicht schriftlich nichts festgehalten
werden, oder sind die Anweisungen auf ihrem Weg abhanden gekommen? Oder
handelt es sich nur darum, daß die mittleren Kader in der unsicheren
Lage vorsichtshalber ein Doppelleben führten? Was war schon von ihnen
zu erwarten, als die mündlichen und deshalb keine Spur hinterlassenden
Anweisungen im Widerspruch zu den früher erteilten, aber noch gültigen
Befehlen standen?
Die ungarische Regierung hatte, schon vor dem Picknick, ganz bestimmte Vorstellungen
im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage. Der Botschafter der BRD,
Alexander Arnot, bat am 4. August 1989 um ein Treffen mit Innenminister
István Horváth, den er um Informationen bezüglich der
Absichten der ungarischen Regierung bat.(33) Der Innenminister versprach
eine schriftliche Antwort, die vom stellvertretenden Minister Pallagi gefertigt
und dem Botschafter noch vor dem Picknick zugestellt wurde.(34) Diese enthält
konkrete Termine über die Möglichkeiten zur Beurteilung des Flüchtlingsstatus.
Im Sinne des Genfer Abkommens über Flüchtlingsfragen hätten
Anfang Oktober 1989 Flüchtlingslager eingerichtet werden sollen. Dazu
war auch noch die Prüfung der diesbezüglichen internationalen
Verträge erforderlich. Im Antwortschreiben ist jedoch vermerkt: „Unser
Land wünscht nicht zum Durchgangskorridor der osteuropäischen
Flüchtlinge zu werden.“
In der Zwischenzeit übergab der Oberste Staatsanwalt am 8. August 1989
in einem Schreiben Richtlinien für die Komitatsstaatsanwälte.
Wenn die „Straftat“ an der Grenze von den gefangengenommenen
Flüchtlingen aus zwingenden Gründen begangen wurde, dann sei eine
Rüge zu erteilen und seien Ermittlungen abzulehnen. Schon begonnene
Ermittlungen seien einzustellen.(35) Die „zwingenden Gründe“
stellten nebenbei gesagt eine ausgezeichnete Ausflucht dar. Zwei Tage später
erging in diesem Zusammenhang erneut ein Schreiben von der Abteilung für
staatsfeindliche Angelegenheiten der Obersten Staatsanwaltschaft an die
Komitate, in welchem mitgeteilt wurde, daß sowohl das Innenministerium
als auch das Außenministerium mit dem Inhalt der Richtlinien einverstanden
seien und daß das Genfer Abkommen über Flüchtlingsfragen
voraussichtlich am 1. Oktober bekanntgegeben würde.(36) Von diesem
Zeitpunkt an trete die Rechtsvorschrift über den Rechtsstand der Flüchtlinge
umfassend in Kraft. Die Gesetze über Aus- und Einwanderung sowie über
Reisepässe hätten laut Plan am 1. Januar 1990 in Kraft treten
sollen.
Druck von mehreren Seiten lastete auf der Regierung. Nur wenige wissen,
daß Sándor Lezsák in den letzten Augusttagen –
umfassende Geheimhaltung erbittend – in Sopron bei László
Magas weilte. Ein Plan über den Transport von Massen deutscher Flüchtlinge
nach Sopron wurde vorbereitet und Lezsák bat um Hilfe bei der Suche
nach geeigneten Orten. Klar ist, daß Innenminister István Horváth
am 5. September in der Magyar Nemzet darauf reagierte.(37) Für den
Transport mit Autobussen wurde der Fußballplatz in Brennberg, der
Parkplatz vor dem Höhlentheater in Fert?rákos und der Bahnhof
in Kópháza ausgewählt. Von diesen Plätzen ist die
Grenze jeweils nur einige hundert Meter entfernt. Schließlich kam
es nicht zu dieser Aktion, aber diese Pläne, wie zuvor auch das Picknick
selbst, beschleunigten die Entscheidung der Regierung.
Es ist schwer zu entscheiden, ob der Zeitraum zwischen dem Picknick und
der Regierungsentscheidung vom 11. September 1989 als lang oder kurz zu
bewerten ist, obwohl sich im nachhinein jeder sehr klug und rückwirkend
außerordentlich informiert gibt. Trotzdem wäre es gut zu wissen,
wer nun wirklich was wußte? Wußte eigentlich überhaupt
jemand irgend etwas Sicheres? Wer erhielt welche Anweisungen und woher?
Wer wurde von wo womit betraut? Ich vermute, jeder erhielt die aus unserer
Geschichte schon bekannten typischen Ratschläge, um mit den Worten
des Bischofs János von Esztergom zu sprechen: „Vor der Ermordung
der Königin braucht ihr euch nicht zu fürchten. Es reicht wenn
alle zustimmen. Ich habe nichts dagegen.“ Unterhalb einer gewissen
Ebene waren nur Informationen in diesem Sinne zu bekommen. Wo aber lag die
Ebene, auf welcher über alles Bescheid gewußt wurde? Wie viele
Drehbücher gab es? Wir hatten nur eins. Die Regierung wahrscheinlich
mehrere, und jedes davon enthielt die Möglichkeit einer für sie
günstig ausfallenden Endlösung! Es ist zu befürchten, daß
wir die Antworten erst nach langen verflossenen Jahren erhalten werden,
wurden doch die überhaupt noch auffindbaren Dokumente für den
Zugang gesperrt.
Ich erwarte mir von diesen gesperrten Dokumenten keine Sensationen, keine
belastenden Beweise für bestimmte Personen, sondern nur die bloßen
Tatsachen, aus denen wir, aber hauptsächlich die nachfolgenden Generationen,
lernen könnten. Keiner von uns strebt an, im Besitz der Tatsachen einen
Streit um Verdienstrechte vom Zaun zu brechen oder die damaligen Politiker
den Organisatoren, Soldaten oder sich selbst gegenüberzustellen. Das
kann nicht Zweck sein, war doch der Sommer 1989 ein so seltener und gerade
deshalb so wertvoller Moment in der Geschichte Ungarns, als die politische
Führung, die Exekutive und die Opposition in einer Sache gemeinsam
vorgingen – wenigstens in ihren Taten, wenn auch nicht in ihren Gedanken.
Noch dazu zum großen Teil im Interesse anderer: der Deutschen.
Auch ohne Paneuropäisches Picknick und ohne den Regierungsbeschluß
vom 11. September hätte sich die Landkarte Europas geändert. Möglicherweise
später, vielleicht in anderer Form, vielleicht blutiger! Freuen wir
uns, daß wir Teil einer wichtigen Episode der Umgestaltung sein durften,
wenn auch nur als „ahnungslose Umstürzler“. Es wäre
dennoch gut, die wahren Antriebsfedern, die Geschichten hinter den Kulissen
zu kennen.
Wenn sich einmal die Archive öffnen werden, können die Historiker
der Zu-kunft entscheiden, ob es sich um eine geschickt aufgebaute „byzantinische”
Lösung handelte oder eine ungarische „Pfuscharbeit“. Vielleicht
liegt die Wahrheit ja irgendwo dazwischen?
|
|
| 1) |
Andreas S.
Schmidt-Schweizer, Die Öffnung der ungarischen Westgrenze für
die DDR-Bürger im Sommer 1989, in: Südosteuropa Mitteilungen 37,
1997/1, S. 34. |
|
| 2) |
2: „Bericht
über den technischen Zustand und die Erfahrungen im Einsatz der am
westlichen Grenzabschnitt gebauten elektrischen Sicherungsanlagen“,
5. Oktober 1987, Landeskommandan-tur der Grenzwache, Reg. Nr. 0022/43/1987,
S. 3. |
|
3) |
Népszabadság,
6. August 1988, S. 5. |
|
| 4) |
Határ?r,
4. November 1988, S. 5; Imre Pozsgay, Politikerkarriere im Parteienstaat
und während der Wende, Budapest 1993, S. 84–85. |
|
| 5) |
„Bericht
über die langfristigen Aufgaben der Grenzbewachung an das Politkomitee
der MSZMP, Februar 1989“, Magyar Országos Levéltár
– Landesarchiv (im Weiteren: OL) 288.f.5/1054, S. 90-116. |
|
6) |
„Protokoll
über die Sitzung des Politkomitees vom 28. Februar 1989“, OL,
2888.f.5/1054, S. 5-6. |
|
| 7) |
„Aufgabenplan
für die Auflösung des Grenzstreifens, die Erarbeitung eines neuen
Grenzbewa-chungssystems“, 9. März 1989, 076/4/1989, sowie: Népszabadság,
26. April 1994, S. 13. |
|
8) |
Dr. Zsiga
Tibor, „Der eiserne Vorhang“ und seine Zeit, Budapest 1999,
S. 76. |
|
| 9) |
„Magyar
Dokumentáció – Ungarische Dokumentation“, hg.
v. MIT, Budapest, Jahrgang XXI., Juni 1989, S. 315. |
|
| 10) |
Mitglieder
dieses in Martonvásár stattfindenden „Lagers“
waren junge Leute von Estland bis Jugoslawien, die sich mit den ihren Ländern
bevorstehenden Schicksalsfragen beschäftigten. Hilfreich waren dabei
Vortragende wie Géza Sz?cs, Gusztáv Molnár, Lubovil
Feldek, Denek Silhon, Krzysztof Sliwinski und andere. |
|
| 11) |
Das Telefonieren
war nicht einfach, da Mária Filep vom Arbeitsplatz aus keine Ferngespräche
führen konnte. Man war erfinderisch und „stahl“ die aus
der Stadt eingehenden Anrufe, indem man die Mutter eines Mitarbeiters anrief
und sie dann um Rückruf bat. Die hereinkommende Leitung wurde genutzt
und so konnte man mit dem Habsburg-Büro, später mit dem Sekretariat
von Imre Pozsgay sprechen. Den „Habsburg Kontakt“ schaltete
Lukács Szabó, der den Besuch von Otto Habsburg am 20. Juni
organisierte. Die Telefonnummer von Áron Sánta, Sekretär
von Imre Pozsgay, erfuhr Mária Filep vom Ratsvorsitzenden einer transdanubischen
Gemeinde, von Ottó Orbán. |
|
| 12) |
Darüber
gab es Streit in der Landeszentrale des MDF. Die Bezeichnung wurde von András
Gergely und Csaba Gy. Kiss nicht empfohlen, da es eine Organisation mit
Namen „Paneuropa Union“ gäbe und nach ihrer Meinung sich
daraus noch rechtliche Probleme ergeben könnten. Um das zu vermeiden,
wurde aus dem ursprünglich geplanten „Paneuropa Picknick“
das „Paneu-ropäische Picknick“. Aber auch dies fand nicht
restlose Zustimmung, jedoch hatte niemand eine bessere Idee. Die Bezeichnung
war tatsächlich nicht glücklich gewählt, später resultierten
daraus Komplikationen. |
|
| 13) |
„Paneuropäisches
Picknick bei Sopron“, in: Magyar Hírlap, 2. August 1989. |
|
| 14) |
Unsere Debrecener
Freunde mußten akzeptieren, daß die Feuer zum Speckbraten nicht
an der Grenze angezündet würden. Es gab auch Streit darüber,
daß die Veranstaltung nur mit den ursprünglichen Teilnehmern
durchgeführt werden sollte. Auf Druck der Soproner Seite (einer Idee
von Géza K?müves) gab es dann die Landesveranstaltung. Auch
den Sopronern gefiel die Bezeichnung „Paneuropäisch“ nicht,
aber an dem in der Presse schon gut eingeführten Namen ließ sich
nichts mehr ändern. |
|
| 15) |
Leider wurde
das Originalwerk durch den starken Regen nach dem Picknick vor Ort zerstört. |
|
| 16) |
Von der Selectron
Kft. – dem einzigen den Soproner Organisatoren zugänglichen Telefaxgerät. |
|
| 17) |
Ganz zu schweigen
davon, daß die an das Postfach des Soproner MDF abgeschickten Genehmi-gungen
„verlorengingen“ ... Diese erhielten die Organisatoren in Kopie
zum zehnten Jahrestag des Picknicks von den Herren Frey und Schandl: auf
den Tag genau mit zehn Jahren Verspätung! |
|
| 18) |
Durch die
über Ungarn Bericht erstattenden Reporter László Szekeres
und Géza Sz?cs, alte Bekannte von Mária Filep. |
|
| 19) |
„Paneuropäisches
Picknick“ am Ort des „Eisernen Vorhangs“, in: Magyar Nemzet,
9. August 1989. |
|
| 20) |
János
Rumpf und seine Familienmitglieder zum Beispiel nahmen Urlaub, da sie sonst
nicht mit den übernommenen Aufgaben fertig geworden wären. |
|
| 21) |
Ein solcher
Stolperstein war die Vorschrift des Gesundheitsdienstes. Es wurden von uns
1.500 Personen als zu erwartende Gäste angemeldet – Schätzungen
zufolge erschien das Zehnfache –, und es mußten Sanitäranlagen
aufgestellt werden, die für solche Massen erforderlich sind. Dazu kam
es im letzten Augenblick, unter Mitwirkung von János Rumpf und Imre
Gazdag, mit Hilfe des Verkehrsbetriebskombinates (VOLÁN Tröszt). |
|
| 22) |
Gyula Kurucz
(Hg.), Das Tor zur deutschen Einheit. Grenzdurchbruch Sopron, 19. August
1989, Berlin 2000, S. 64/65. – Der Band, eine Übersetzung der
ungarischen Originalausgabe, entstand im Ergebnis der Konferenz „10
Jahre Paneuropäisches Picknick“ am 18./19. August 1999 in Sopron. |
|
| 23) |
Siehe die
Äußerungen von Carl Gustav Ströhm, in: Gyula Kurucz (Hg.),
Das Tor zur deutschen Einheit, S. 168. |
|
| 24) |
Vgl. Gyula
Kurucz (Hg.), Das Tor zur deutschen Einheit, S. 215. |
|
| 25) |
„Durchbruch
von DDR-Bürgern beim Paneuropäischen Picknick“, in: Magyar
Hírlap, 21. Au-gust 1989. |
|
| 26) |
„Laßt
die Bilder sprechen“; „Zufällig Zeuge“; „Der
Preis der Freiheit“, in: Soproni Hírlap, 25. August 1989. |
|
| 27) |
„Grenzenloser
Spießrutenlauf“, in: Ötlet ’89, 31. August 1989. |
|
| 28) |
Siehe dazu
die deutsche Ausgabe des bereits zitierten Tagungsbandes: Gyula Kurucz (Hg.),
Das Tor zur deutschen Einheit. Grenzdurchbruch Sopron, 19. August 1989,
Berlin 2000. |
|
| 29) |
Siehe die
Ausführungen von Miklos Nemeth, in: Gyula Kurucz (Hg.), Das Tor zur
deutschen Einheit, S. 71–80. |
|
| 30) |
Maßnahmeplan
Zahl 034/1989 des Befehlshabers des IM Grenzwache 11. Bezirk in Verbindung
mit den Aufgaben zur Grenzbewachung und Sicherung bei der Veranstaltung
„Paneuropäisches Picknick“, Sopron, 16. August 1989, Archiv
der Stiftung Paneuropäisches Picknick ’89, Sopron. (im Weiteren:
PPAA). |
|
| 31) |
Siehe die
Ausführungen von Arpad Bella, in: Gyula Kurucz (Hg.), Das Tor zur deutschen
Ein-heit, S. 193 ff. |
|
| 32) |
„Tod
an der ungarisch-österreichischen Grenze“, in: Magyar Hírlap,
23. August 1989. |
|
| 33) |
Aufzeichnung
des Innenministers, 4. August 1989, I-a-849/89; PPAA. |
|
| 34) |
Mitteilung
des Innenministeriums, 10. August 1989, PPAA. |
|
| 35) |
Schreiben
des Obersten Staatsanwaltstellvertreters, 8. August 1989, Ig. 338/1989;
PPAA. |
|
| 36) |
Schreiben
der Abteilung für staatsfeindliche Angelegenheiten an die Oberstaatsanwaltschaft,
10. August 1989, Ig. 338/1989; PPAA. |
|
| 37) |
„Wir können geheime Aktionen nicht erlauben“, in: Magyar
Nemzet, 5. September 1989. |
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