Julius Eschka | Denn sie wissen was sie tun
DIA-Vortrag: ...DENN SIE WISSEN WAS SIE TUN..., Narration: Julius Eschka,
83 s/w-DIA-Positive, zur Situation der katholischen Kirche in der SBZ/DDR.
...DENN SIE WISSEN WAS SIE TUN...
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Hintergrund-Info
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...DENN SIE WISSEN WAS SIE TUN...
DIA-Vortrag: Situation der katholischen Kirche nach dem 13.8.1961
(Trommelwirbel)
DIA Nr.: 2
1. Sprecher:
Wo Trommeln zum Haß rufen, da ist kein Platz für Gottes Liebe.
Welche Stimme wird in diesem Kind den Sieg davontragen? Noch ist es unwissend und ahnungslos,
aber es trägt bereits das Kleid des Hasses. Wird ihm einmal die Möglichkeit gegeben,
sich frei zu entscheiden?
DIA Nr.: 3
2. Sprecher:
Sind Kommunismus und Kirche vereinbar? Nein! Das behaupten sogar die Kommunisten selbst. Lenin sagte:
3. Sprecher: „Jeder Gedanke an einen Gott,
ja sogar jedes Kokettieren mit solch einem Gedanken ist eine unaussprechliche Gemeinheit,
die niederträchtigste Infektion.”
1. Sprecher:
Das ist Theorie. Die Praxis bestätigt es.
DIA Nr.: 4
Ein Beispiel von vielen: Vier litauische Mädchen hatten sich für Christus entschieden.
2. Sprecher:
Dafür wurden sie nach Sibirien deportiert. In einem Straflager verfaßten sie dieses kleine,
handgeschriebene Gebetbuch, das Prälat Kindermann Teilnehmern des Kongresses
„Kirche in Not” zeigt.
DIA Nr.: 5
1. Sprecher:
In Rußland dienen nur noch wenige Kirchen dem Gottesdienst.
Teils sind sie Ställe geworden, teils Wohnungen, manchmal Museen.
DIA Nr.: 6
In Süd-Vietnam werden Altäre geschändet.
DIA Nr.: 7
Bischöfe, Priester und Ordensleute werden in China eingekerkert, gefoltert und sterben im Gefängnis.
2. Sprecher:
Schwester Alfonsa und Schwester Maria Germana aus der Kongretation der Schwestern von der unbefleckten Empfängnis
wurden zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, ihre Ordensniederlassung aufgelöst.
DIA Nr.: 8
1. Sprecher:
„Haben sie Mich verfolgt, so werden sie Buch verfolgen”
2. Sprecher:
Verhöhnt, verspottet, verfolgt. Vor 2000 Jahren? Auch heute noch!
DIA Nr.: 9
1. Sprecher:
Kommunismus und Religion sind unvereinbar, auch in der Zone.
Chef-Propagandist Albert Norden erklärte am 11. Februar 1958:
3. Sprecher:
„Die Kirche ist der letzte organisierte Feind”
1. Sprecher:
Dieser Ausspruch erfolgte bei einer Versammlung der Abteilung für Agitation und Propaganda
nach dem 34. Plenum des ostzonalen Zentralkommitees. Walter Ulbricht hatte bei diesem Plenum
den Startschuß zu einer atheistischen Großoffensive innerhalb seines Machtbereiches gegeben.
DIA Nr.: 10
Von dem Augenblick an, da Ost- und Mitteldeutschland von Soldaten der Roten Armee besetzt wurden,
begannen die Kommunisten mit dem Versuch, die Bevölkerung dieses Raumes systematisch zu bolschewisieren.
In den ersten Jahren wagte man es nicht, die Menschen mit einer offenen,
atheistischen Propaganda vor den Kopf zu stoßen.
Die Zeit war noch nicht reif für einen Kirchenkampf.
Das Fundament für den sowjetzonalen Machtapparat mußte erst geschaffen werden.
Man konnte es sich einfach nicht leisten, selbst Parteifunktionäre zum Kirchenaustritt zu bewegen.
DIA Nr.: 11
2. Sprecher
Als 1949 die Zonengrenze zur Staatsgrenze der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik wurde,
erlitt das kirchliche Leben einen tiefen Einschnitt. Teile des Erzbistums Paderborn und Teile der Bistümer Fulda,
Osnabrück und Würzburg lagen innerhalb der sowjetischen Besatzungszone.
Die Gläubigen dieser Gebiete waren plötzlich von ihren Oberhirten getrennt.
Bischöfliche Kommissariate mußten errichtet werden, weil die westdeutschen Bischöfe keine Einreiseerlaubnis mehr bekamen.
(10 Sec. Pause)
1. Sprecher:
Die Zahl der Katholiken in Mitteldeutschland hatte sich nach dem Krieg durch den Zustrom
der Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten verdoppelt.
Fast 2 Millionen Katholiken sind es, die jetzt in diesem Gebiet wohnen.
Sie werden von nur 1369 Priestern betreut.
DIA Nr.: 12
1. Sprecher:
Der vorhandene Kirchenraum reichte nicht mehr aus.
Auch die wenigen Neubauten konnten diesen Mangel nicht beheben.
Die meisten Anträge für kirchliche Neubauten wurden vom Zonensystem abgelehnt.
Nach dem Krieg z.B. entstanden in Westberlin 16 neue Kirchen.
Der Wiederaufbau zerstórter Kirchen ist in dieser Zahl nicht enthalten.
2. Sprecher:
.... und in Ostberlin?
DIA Nr.: 13
1. Sprecher:
Eine einzige! Man kann diesen Neubau noch nicht einmal als eine Kirche bezeichnen.
Innen ist es ein zum Kirchenraum hergerichteter Gemeindesaal.
Von außen ist diese Biesdorfer Kirche kaum von einem Wohnhaus zu unterscheiden.
Ein Kirchturm wurde nicht genehmigt. Nicht einmal ein Dachreiter als Glockenträger.
Auf der anderen Straßenseite liegt nämlich ein Wohnheim für sozialistisch orientierte Studenten.
3. Sprecher:
.... eine Glocke, die zur Messe ruft, stört das fortschrittsbewußte Empfinden der Studenten.
1. Sprecher:
so lautete die Begründung des Verbotes.
DIA Nr.: 14
Einzig ein schlichtes Metallkreuz an der Giebelseite des Hauses erinnert daran,
daß der HERR hier eine Heimstatt hat.
DIA Nr.: 15
3. Sprecher:
Eine Kirche hat aus dem Straßenbild sozialistischer Städte zu verschwinden!
1. Sprecher: Das zeigt die Kirchenruine von St. Nikolaus,
die unmittelbar hinter den Protzfassaden der Stalinallee liegt.
Nur der Unterbau der Kirche wurde hergerichtet, 100 Gläubige finden hier Platz.
2. Sprecher:
Gibt es ein krasseres Bild?
DIA Nr.: 16
1. Sprecher:
Vielleicht! Da ist die aus dem Boden gestampfte Eisenhüttenstadt, ehemals Stalinstadt,
Modell einer sozialistischen Zukunftsstadt.
3. Sprecher:
Zwischen Hochöfen und Fabriken, staatlichen Kulturzentren und Wohnblocks für Menschen neuen Typs
hat eine Kirche keine Daseinsberechtigung.
DIA Nr.: 17
1. Sprecher:
Arbeiter selbst haben den Bau einer Kirche gefordert.
Mitten in atheistischer Umgebung vollzieht sich das Mysterium der Wandlung ...
Als Kirche läßt sich diese kümmerliche Baracke zwar kaum ansprechen,
trotzdem können wir uns denken, wie groß die Freude der Gläubigen ist.
DIA Nr.: 18
1. Sprecher:
Während bei Straußberg in der Nähe von Berlin ein kleines Kreuz daran erinnert,
daß diese Scheune früher eine Kapelle war,
DIA Nr.: 19
entsteht in Westberlin, nahe der ehemaligen Hinrichtungsstätte der Nationalsozialisten in Plötzensee,
eine Gedenkstätte für die Opfer der Nazizeit: Regina Martyrium.
Die Gebeine zweier Berliner Märtyrer wird diese Kirche aufnehmen.
2. Sprecher:
Für sie war das Bekenntnis zu Christus eine Existenzfrage,
für Viele ist es in der Zone bereits heute wieder der Fall.
DIA Nr.: 20
3. Sprecher:
Aber die Verfassung der DDR garantiert jedem Staatsbürger das Recht auf Glaubensfreiheit?
1. Sprecher:
Die Wirklichkeit ist anders, sie zeigt, daß das Risiko, den Menschen in seinem intimsten Bereich,
in der lebendigen Beziehung zu Gott, sich selbst zu überlassen, den kommunistischen Machthabern zu groß ist.
Wie sagte der Chef Propagandist Albert Norden:
3. Sprecher:
„Die Kirche ist der letzte organisierte Feind ...”
1. Sprecher:
Sie zu bekämpfen gilt es mit allen Mitteln.
DIA Nr.: 21 (Kinderlied)
Nicht einmal die Märchenwelt bleibt davon verschont, Gott wird bereits hier ausgemerzt.
DIA Nr.: 22
2. Sprecher:
„Einem reichen Manne“ dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr Ende herankam,
rief sie ihr einziges Töchterchen zu sich ans Bett und sprach:
Liebes Kind, bleib fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen und ich will vom Himmel auf dich herabblicken.”
So heißt es im Aschenputtel.
1. Sprecher:
Die sowjetzonale Korrektur machte daraus:
3. Sprecher:
... „Einem reichen Mann dem wurde seine Frau krank,
und als sie fühlte, daß ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges Töchterchen zu sich ans Bett und sprach:
Liebes Kind, bleib immer gut, was dir auch immer geschehen möge.”
DIA Nr.: 23
1. Sprecher:
Der Religionsunterricht unterliegt fortlaufenden Schikanen.
In § 6 des Erlasses zur Erteilung von Religionsunterricht heißt es:
3. Sprecher:
„Weder in der Schule, noch im Bereich ihrer Einrichtungen darf zur Teilnahme
an religiösen Unterweisungen geworben werden.”
1. Sprecher:
Auch der Straßenabschnitt vor der Schule ist ein Teil den Schulgrundstücke.
Nicht einmal auf der Straße kann also ein Priester oder Katechat ein Kind ermahnen
oder auffordern, am Religionsunterricht teilzunehmen.
3. Sprecher:
„Wer nicht mitmacht, ist gegen uns!”
1. Sprecher:
Die Bischöfe Mitteldeutschlands erklärten in ihrem Fastenhirtenbrief 1959:
2. Sprecher:
„Es gibt bei uns Berufe, die nur der ergreifen kann, der sich von der Kirche getrennt hat.”
Ein Abiturient, der Journalist oder Lehrer werden möchte, muß sich verpflichten,
während seines Studiums tatkräftig am sozialistischen Aufbau mitzuwirken.
DIA Nr.: 24
1. Sprecher:
Jedoch der sogenannte Aufbau ist der Abbau der christlichen Substanz. Die Zulassung an eine Oberschule
oder gar zu einem Studium ist mit Auflagen verbunden, die ein Christ mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann.
Objektive Informationen, wie sie an den Universitäten der freien Welt selbstverständlich sind, gibt es nicht.
DIA Nr.: 25
1. Sprecher:
Presse und Rundfunk sind staatlich gelenkt. Die Radiowelle ist der Kirche genommen.
2. Sprecher:
Und wie sieht es mit dem religiösen Schrifttum aus?
3. Sprecher:
Bereits im März 1953 wurde in der Sowjetzone das in Westberlin erscheinende „Petrusblatt.”
die katholische Kirchenzeitung für das Bistum Berlin verboten.
Ein knappes Jahr später erst durfte in Ostberlin das „St. Hedwigsblatt.” erscheinen,
in einer Auflage von 25.000 Exemplaren. Aber es darf weder an den Kirchtüren,
noch gar an Zeitungsständen verkauft werden.
Der Bezug ist ausschließlich auf postalischem Weg möglich.
1. Sprecher:
So kann der Staatszensor jederzeit ohne jegliche Mühe eine ganze Auflage bei der Post stoppen.
Die Bezieheradressen liefern dem Staat gleichzeitig die Namen der „Parteifeinde„.
DIA Nr.: 14
Zeitschriften und Bücher mit religiösem Inhalt, die in Westdeutschland erscheinen,
dürfen seit der Gründung der sogenannten DDR im Jahr 1949 nicht mehr offiziell vertrieben werden.
Es gab bis 1949 in Mitteldeutschland keinen katholischen Verlag.
Fünf Jahre litten die Gläubigen unter dem Fehlen eines Gegengewichtes zu der Flut an Druckerzeugnissen
marxistisch-sozialistischen Inhaltes.
DIA Nr.: 27
Nach fünfjährigen Verhandlungen wurde ein katholischer Verlag zugelassen,
der eine Kirchenzeitschrift herausbringt.
Sie kann nur alle 14 Tage im Umfang von 8 Seiten erscheinen. Das Papier teilt der Staat zu,
für kirchliche Druckerzeugnisse hat er offenbar nicht genügend.
2. Sprecher:
Eine Gegenüberstellung des kirchlichen Schrifttum von Ost- und Westdeutschland gibt ein
eindrucksvolles Bild von der Beschränkung kirchlicher Druckerzeugnisse.
646 Zeitschriften beider Konfessionen mit einer Auflage von nahezu 17 Millionen in Westdeutschland
stehen 15 Zeitschriften mit einer Auflage von 188.450 in der Zone gegenüber.
DIA Nr.: 28
1. Sprecher:
Aber in Buchhandlungen, Kiosken und Bibliotheken wird man vergebens nach Büchern
oder Broschüren mit religiösem Inhalt suchen. Was zu finden ist,
ist eine Flut atheistischer Tendenzliteratur. Die Bevölkerung ist dem
pausenlosen Trommelfeuer der Propaganda des SED-Regimes ausgeliefert.
3. Sprecher:
„Aus dem Schuldbuch des politischen Katholizismus”
2. Sprecher:
„Der Sohn des Kardinals”
1. Sprecher:
„Im Schatten des Kreuzes”
3. Sprecher:
„Der Sputnik und der liebe Gott”
1. Sprecher:
... um nur einige Titel zu nennen.
DIA Nr.: 29
Gotteslästerung) aus: IM SCHATTEN DES KREUZES
DIA Nr.: 30
2. Sprecher:
Nicht allein Schrifterzeugnisse, sämtliche Publikationsmittel,
Film, Fernsehen und Radio werden in den Dienst der Gottlosenpropaganda gestellt.
Selbst die Straße bleibt davon nicht verschont. Auch hier wird der Mensch unentwegt
mit antireligiösen Karikaturen, Transparenten, Plakaten und Schaubildern bearbeitet.
Man greift dabei nicht direkt die Kirche an, sondern ihre Vertreter,
die Würdenträger sind die Zielscheibe ihres Spottes.
3. Sprecher:
Schaut her, so sehen die Vertreter eurer Kirche aus!
(10 Sec. Pause)
DIA Nr.: 30
2. Sprecher:
Auf diese Weise versucht man, Verwirrung zu stiften.
31a
Verwirrung, Lähmung und schließlich Zerschlagung, das sind die Stadien des Kirchenkampfes.
DIA Nr.: 32
1. Sprecher:
Wer dem Menschen die Religion nehmen will, muß ihm einen Ersatz bieten.
DIA Nr.: 33
Am 10. Juli 1958 verkündete Walter Ulbricht auf dem 5. Parteitag der SED
die 10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen:
1. Du sollst dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse
und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
2. Du sollst dein Vaterland lieben und stets bereit sein, deine ganze Kraft und Fähigkeit
für die Verteidigung der Arbeiter- und Bauern-Macht einzusetzen.
3. Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
4. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen,
denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
5. Du sollst beim Aufbau den Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe
und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
6. Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
7. Du sollst stets nach Verbesserung deiner Leistungen streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
8. Du sollst deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten,
charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
9. Du sollst sauber und anständig leben und deine Familie achten.
10. Du sollst Solidarität mit den um ihre nationale Befreiung kämpfenden
und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.
Der sozialistische Moses hat sich aber noch mehr ausgedacht.
Anstelle der kirchlichen Sakramente treten weltanschauliche Staatsakte oder Ersatzriten.
DIA Nr.: 34
3. Sprecher:
Die christliche Taufe soll durch die „Namensweihe” ersetzt werden:
„Mit etwas bangen, aber freudig lächelnden Augen schauen die Eltern auf ihre kleinen Schützlinge,
die heute in die große, sozialistischen Gemeinschaft aufgenommen werden.
Die Urkunde, die sie aus Anlaß der heutigen Kindesweihe überreicht erhalten, enthält eine Verpflichtung,
die ich ihnen jetzt vorlesen möchte. Ich bitte sie, daß sie sich von ihren Plätzen erheben:
„Wir Eltern und Paten verpflichten uns, das Kind im Geiste des Friedens, der Völkerfreundschaft
und in der Liebe zu unserem Arbeiter- und Bauernstaat zu erziehen, und alles zu tun, um den Kindern
eine glückliche Zukunft in einem sozialistischen, deutschen Vaterland zu sichern. Ich danke Ihnen!”
DIA Nr.: 35
1. Sprecher:
In der örtlichen Presse werden solche Weihezeremonien glorifiziert.
3. Sprecher:
„Den Kindern unserer Betriebsangehörigen und ihren Eltern wünschen wir anläßlich der Namensweihe
für die Zukunft Erfolg in unserem Arbeiter- und Bauernstaat.”
DIA Nr.: 36
1. Sprecher:
Die sogenannte „Jugendweihe” soll die Erstkommunion oder die Firmung ersetzen.
Sie wurde 1954 eingeführt. Anfangs sah es so aus, als ob es sich um einen eigenen Ritus für
nicht konfessionell gebundene Jugendliche handelt.
Doch am 28. September 1957 erklärte Ulbricht unmißverständlich:
DIA Nr.: 37
„Ich betone ausdrücklich, daß an der Jugendweihe alle Jungen und Mädel teilnehmen sollen,
gleichgültig, welche Weltanschauung ihre Eltern haben oder in welcher Weltanschauung sie bisher erzogen wurden ....”
DIA Nr.: 38
„Liebe, junge Freunde, seid ihr bereit, als treue Söhne und Töchter unseres Arbeiter- und Bauernstaates
für ein glückliches Leben des gesamten deutschen Volkes zu arbeiten und zu kämpfen? So antwortet mir:
ja, das geloben wir.”
„Ja, das geloben wir.„
„Seid ihr bereit, mit uns gemeinsam eure ganze Kraft für die große und gewaltige Sache des Sozialismus einzusetzen,
so antwortet mir: ja, das geloben wir.„
„Ja, das geloben wir.„
„Seid ihr bereit, für die Freundschaft der Völker einzutreten und dem Sowjetvolk
und allen friedliebenden Menschen der Welt den Frieden zu sichern und zu verteidigen,
so antwortet wir, ja, das geloben wir.„
„Ja, das geloben wir.„
DIA Nr.: 39
Wir haben euer Gelöbnis vernommen. Ihr habt euch ein großes und edles Ziel gesetzt.
Ihr habt euch eingereiht in die Millionenschar der Menschen, die für den Frieden und Sozialismus
arbeiten und kämpfen. Feierlich nehmen wir euch in die Gemeinschaft aller werktätigen Menschen
in unserer Deutschen Demokratischen Republik auf und versprechen euch Unterstützung, Schutz und Hilfe.
DIA Nr.: 40
2. Sprecher:
„Sonderverkauf, Preise gesenkt!”
1. Sprecher:
Die Partei tut alles, um die Jugendweihe so anziehend wie möglich zu machen.
Wie die Jugendlichen systematisch verwirrt werden, zeigt folgende Aufnahme des Ostzonensenders:
DIA Nr.: 41
O-Ton
Heiraten, heiraten, heiraten, heiraten ... aber wie? Eine Umfrage des Jugendmagazins.
Heiraten so oder so? Ja, heiraten aber wie?
Wozu soviel Klimbim bei der Hochzeit, meinen die Einen.
Das ist doch etwas im Leben, wo auch der äußere Rahmen nicht so nüchtern sein darf,
meinen die Anderen. Wir fragten junge Eheleute, wir fragten die, die es einmal werden wollen:
„Ich würde mich ehrlich gesagt auch nicht kirchlich trauen lassen, aus irgendwelchen Glauben heraus oder so,
aber ich finde es irgendwie schön, kirchliche Trauung, nicht mit Hochzeitskutsche und so,
aber na ja, Klimbim ist es ja eigentlich, kirchliche Trauung.”
Stop mal! Wenn wir richtig verstanden haben, dann ist es also nicht die Religion,
die die kirchliche Trauung so anziehend macht, sondern das ganze Drum und Dran, der feierliche Rahmen.
DIA Nr.: 41a
Unsere Frage ist deshalb, kann man eine Trauung moderner, junger Menschen nicht so gestalten,
daß es doch modern auf sozialistische Art und dazu noch ganz besonders festlich zugeht?
Christel Bach aus Leipzig hat sich darüber schon Gedanken gemacht:
„Ich stelle mir das so vor, daß ich standesamtlich getraut werde, daß vielleicht die Freunde
meiner Jugendgruppe mit dran teilnehmen. Ja, ich stelle mir vor, das kann sogar ganz gemütlich werden,
schöner vor allen Dingen, als in der kirchlichen Hochzeit. Ich habe eine kirchliche Hochzeit
bei uns in der Straße mitgemacht. Es geht alles bisschen steif zu, ja,
mehr oder weniger hängt diese ganze Geschichte wahrscheinlich mit Gott zusammen.”
2. Sprecher:
Gott ist nicht mehr notwendig, die sozialistische Eheschließung kennt keinen Kirchenraum
DIA Nr.: 42
1. Sprecher:
Sogar der Tod wird ideologisch eingestuft.
3. Sprecher:
„Wir überschauen das jetzt zu Ende gegangene Leben, dabei klagen wir die Ausbeuter an,
die Militaristen, die Faschisten, die das Leben mißbrauchen ...”
2. Sprecher:
So zu lesen in einer Redeanweisung für eine atheistische Beerdigung.
DIA Nr.: 43
1. Sprecher:
Menschen, die die Würde der Gewissensfreiheit für sich beanspruchen, kann der Kommunismus nicht gebrauchen,
Ausführungsorgane seines Hasses können nur ergebene Funktionäre sein, Mechanismen des Partei- und Staatsapparates.
DIA Nr.: 44
Individualismus ist verpönt. Eigenes Denken ist unerwünscht. Was gut und was schlecht ist,
entscheidet allein die Partei. Ist es dem Parteistaat nützlich, dann ist es befohlenerweise gut.
Auch wenn es sich um Mord, Raub, Nötigung, Erpressung, Verleumdung oder Freiheitsberaubung handelt.
Das persönliche Gewissen wird von „einem Kollektivgewissen” abgelöst.
Religion wird einfach als Aberglaube abgetan.
2. Sprecher:
Ja. glauben denn die Kommunisten an gar nichts? Kann ein Mensch ganz ohne Glauben leben?
1. Sprecher:
Scheinbar nicht!
3. Sprecher:
Deshalb geben wir den Menschen einen neuen Glauben, den Glauben an den Fortschritt,
den Glauben an den Sieg des Kommunismus, den Glauben an die Technik und den Glauben
an die sozialistische Wissenschaft.
DIA Nr.: 45
1. Sprecher:
Ein kümmerlicher Religionsersatz. Dafür soll Gott entthront werden?
Sputniks, Luniks und Raketen sollen allen Ernstes die Nicht-Existenz Gottes beweisen?
3. Sprecher:
„Die Sputniks führen den Massen sehr beredt vor Augen,
daß auch der jenseits unserer Erde befindliche Weltraum weder einem Gott,
noch irgendwelchen übernatürlichen oder ideellen Kräften ausgeliefert ist.”
1. Sprecher:
Das schrieb Neues Deutschland, die Stimme den SED-Zentralorgans am 4. Dezember 1946.
DIA Nr.: 46
Ja, man scheut nicht einmal vor einer Gotteslästerung zurück:
3. Sprecher:
„Soll doch der amerikanische Sputnik, wenn er einmal gestartet ist,
Funkverbindung mit dem Schöpfer aufnehmen.”
DIA Nr.: 47
1. Sprecher:
Künstler und Schriftsteller werden eingespannt in die Propagandamaschine des Staates.
Sie haben den Auftrag, Erfolge der Wissenschaft und der Technik zu glorifizieren. Das hört sich dann so an:
3. Sprecher:
„Mein Herz ist voll Stolz, Ehrfurcht und Liebe für die Giganten der Wissenschaft,
die der Menschheit eröffnen den Weg ins All. Und inbrünstig hoffen gleich mir Millionen,
daß dieser neue, erhabene Stern endlich vermag zu erfüllen, was Bethlehems Stern vergebens verhieß:
den Frieden auf Erden!”
DIA Nr.: 48
1. Sprecher:
Wer ist nicht für Frieden? Wer nicht für Freiheit?
Der Begriff Frieden und Freiheit wurden zum Schlagwort degradiert.
In jedem Menschen wurzelt die Sehnsucht nach Frieden.
Mit dieser Friedenssehnsucht wird schamlos Mißbrauch getrieben.
Sie sagen zwar Frieden, aber in Wirklichkeit ist ihr „Friede” nichts anderes
als die gänzliche Versklavung des Menschen.
DIA Nr.: 49
2. Sprecher:
Sie sagen Freiheit, in Wirklichkeit ist ihre „Freiheit” die Diktatur des Proletariats.
Denn das Volk hat zu gehorchen, es hat sich bedingungs- und widerspruchslos dem Parteiprinzip unterzuordnen,
der Einzelne ist nichts, die Partei, der Staat ist alles.
Die Vorstellungen von der Würde und Freiheit des Menschen sind außer Kraft gesetzt.
Wo aber keine Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit besteht, da ist Barbarei.
DIA Nr.: 50
Barbarei und Terror gehen Hand in Hand. Das zeigte der 13. August 1961.
1. Sprecher:
Kinder dürfen nicht mehr zu ihren Eltern.
DIA Nr.: 51
2. Sprecher:
Alte Menschen können nicht einmal das Grab ihres verstorbenen Ehegatten besuchen.
Sie müssen warten, bis sie selbst tot sind.
DIA Nr.: 52
1. Sprecher:
Die Toten haben noch die „Freiheit”, diese neue „Staatsgrenze” zu passieren.
Einmal wöchentlich werden noch an einem der verbliebenen Übergänge Urnen ausgetauscht.
DIA Nr.: 53
2. Sprecher:
Die Lebenden können sich heute nicht einmal mehr zuwinken.
1. Sprecher:
Ein Land ist zerrissen, eine Stadt, zahllose Familien sind auseinandergerissen.
DIA Nr.: 54
Der Riß geht aber auch mitten durch die Gemeinden.
Ein schmerzlichen Beispiel liefert St. Michael im Südosten der Stadt.
Kirche, Pfarrhaus, Schwesternstation und Kindergarten, auch das Altersheim liegen in Ostberlin.
Dort haben ca. 1000 Gemeindemitglieder ihren Wohnsitz. 7000 Gemeindemitglieder aber,
der weitaus größte Teil der 8000-köpfigen Gemeinde, wohnen in Westberlin.
Sie waren mit einem Schlag von ihrer Kirche getrennt.
DIA Nr.: 55
2. Sprecher:
Im Bethanienkrankenhaus, das unmittelbar an der Sektorengrenze liegt,
stellten die evangelischen Diakonissen den Verwaisten einen Saal zur Verfügung.
Einmal schon war dieser Saal eine Zufluchtsstätte für die schwer geprüfte Gemeinde von St. Michael.
Das war, als im Krieg Bomben ihre Kirche zerstört hatte.
DIA Nr.: 56
1. Sprecher:
Der damalige Bischof von Berlin, Julius Kardinal Döpfner,
schenkte den Westberliner Angehörigen der St. Michaelsgemeinde alle Paramente seiner Hauskapelle.
Eine alte Werkstatt wurde zu einem neuen Gemeindezentrum ausgebaut.
DIA Nr.: 57
Im Auftrag des neuen Bischofs von Berlin, Erzbischof Dr. Bengsch,
der seinen Sitz im Ostsektor der Stadt hat,
konnte am 26. April 1962 Domprobst Prälat Paul Weber die inzwischen
fertiggestellte St. Michaelskapelle am Mariannenplatz, die ehemalige Werkstatt,
feierlich benedizieren. Aber 120 Sitze sind zu wenig für 7000 Gläubige.
So muß die Gastfreundschaft bei den evangelischen Glaubensbrüdern weiterhin in Anspruch genommen werden.
DIA Nr.: 58
2. Sprecher:
Das 100-jährige Bestehen der St. Michaelsgemeinde wurde zu beiden Seiten der Mauer mit
Festgottesdiensten gefeiert. Als sich danach die Gemeindemitglieder zuwinken wollten,
warfen Angehörige der kommunistischen „Volkspolizei” Tränengaskerzen.
DIA Nr.: 59
1. Sprecher:
Während hier in St. Michael Alte, Kranke und Gebrechliche
vergebens auf die Schwestern aus dem Ostsektor,
die sie bis zur Absperrung vom 13. August betreut haben, warten,
sind es hoch im Berliner Norden die Schwestern von St. Sebastian,
die nicht mehr zu ihren Pfleglingen nach Ostberlin gehen können.
Die Schwestern wissen nicht einmal, wohin ihre Pfleglinge gebracht wurden,
DIA Nr.: 60
denn die Häuser an der Sektorengrenze wurden zugemauert, die Bewohner zwangsevakuiert.
DIA Nr.: 61
2. Sprecher:
Nicht allein die Häuser der Menschen wurden zugemauert. Die Häuser Gottes erlitten dasselbe Schicksal.
Hier in der Bernauer Straße, ganz in der Nähe von St. Sebastians
verwehrt die Mauer den evangelischen Christen den Zutritt zu ihrem Gotteshaus.
DIA Nr.: 62
1. Sprecher:
Die katholischen Christen Ostberlins warteten am 17.August vergebens auf ihren Oberhirten.
Angehörige der Volkspolizei hinderten Kardinal Döpfner,
der zu diesem Zeitpunkt bereits Erzbischof von München-Freising war,
die Leitung des Bistum Berlin aber noch innehatte, am Betreten des Ostsektors.
Sein
DIA Nr.: 63
Nachfolger, Erzbischof Dr. Albert Bengsch, der seinen Wohnsitz in Ostberlin hat,
erhält nur an wenigen Tagen eine Sondererlaubnis, um zu Pontifikalhandlungen nach West-Berlin kommen.
DIA Nr.: 64
Aus diesem Grunde gab es zwei Inthronisationsfeierlichkeiten.
Eine im Ost- und eine im Westteil der Stadt. In Ostberlin fand sie im Congress Christi statt.
Das Amtszimmer des neuen Bischofs Im bischöflichen Ordinariat, das im Westberlin liegt,
wartet vergeblich auf ihn.
2. Sprecher:
Bischof und Generalvikar leben zwar in einer Stadt, können aber nicht einmal miteinander telefonieren.
Der Schnitt der Berlin teilte, verschonte nicht einmal die Telefonleitungen.
DIA Nr.: 65
1. Sprecher:
296.500 Westberliner Katholiken können noch von Zeit zu Zeit ihren Bischof begrüßen.
142.000 Gläubige des Bistums Berlin, die im Gebiet der sogen. DDR beheimatet sind,
mußten auf den Besuch ihres Bischofs, Kardinal Döpfner, seit 1958 verzichten.
Kardinal Döpfner hatte, wie seine Vorgänger, seinen Wohnsitz in Westberlin,
deshalb durfte er in der Zone nicht predigen, nicht Sakramente spenden
oder in irgendeiner Art persönlich seelsorgerisch tätig sein.
Man erlaubte dem „Nato-Bischof„, so wurde er von der SED-Propaganda bezeichnet,
lediglich die 133.000 Katholiken von Ostberlin zu betreuen.
DIA Nr.: 66
2. Sprecher:
Die Einschränkungen, die dem Oberhirten auferlegt wurden, gelten in gleichem Masse auch für die Priester.
Seit 1957 erhält kein Westberliner Theologiestudent eine Zuzugsgenehmigung für die Dauer des Studiums
an das Priesterseminar in Erfurt. Seit 5 Jahren also hat das Bistum Berlin auch einen geteilten Priesternachwuchs.
Es war eine liebe Gewohnheit der Berliner Katholiken, die Gräber ihrer verstorbenen Bischöfe
und der Blutzeugen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auf dem St. Hedwigs Friedhof
stets mit frischen Blumen zu schmücken. Die Westberliner können das heute nicht mehr.
DIA Nr.: 67
„Westdeutschland gehört in der Tat zu den rückständigsten Ländern Europas.
Es gilt vor allem die Jugendlichen vor den verderblichen Einflüssen amerikanischer Asphaltkultur
und den Westberliner Frontstadtsumpfes zu schützen.”
DIA Nr.: 68
1. Sprecher:
Das ist der „Frontstadtsumpf”, den Ulbricht meint.
Vor dem 13. August wagten es noch einige mutige Eltern aus Ostberlin, ihre Kinder
in freie katholische Schulen nach West-Berlin zu schicken.
DIA Nr.: 69
Jetzt sind diese Kinder völlig der atheistischen Zwangsbekenntnisschule ausgeliefert.
Sofern sie nicht gewillt sind, sich von ihrem Glauben zu lösen, bleibt ihnen nur die Wahl:
2. Sprecher:
Heuchelei oder Martyrium.
DIA Nr.: 70
Litfaßsäle
DIA Nr.: 71
1. Sprecher:
Ein junger Mann aus Ostberlin wollte sich dieser Entscheidung entziehen.
Der einzige Ausweg war die Flucht. Wenige Meter vor dem rettenden Ufer traf ihn die tödliche Kugel.
Er wurde von eigenen Landsleuten erschossen. Dies ist die Gedenkstätte
(Udo Düllick, Spreeufer, Göbenstraße).
DIA Nr.: 72
3. Sprecher:
In der Regel soll der erste Schuß ein Warnschuß sein, und der zweite ein gezielter Schuß,
doch ist entscheidend, daß man trifft. Ob der erste oder der zweite Schuß der Warnschuß war,
kann nachträglich nie festgestellt werden.
1. Sprecher:
So berichtet ein geflüchteter, hoher Parteifunktionär über eine Instruktion
auf dem Schießstand im Keller der Parteizentrale. Das ist offener Terror.
DIA Nr.: 73
Die Sektorengrenze trennt nicht allein die Lebenden voneinander
(Errichtung einer Mauer zur Sperrung des Eingangs zum Friedhof der Domgemeinde St. Hedwig).
DIA Nr.: 74
2. Sprecher:
Berlins Großstadtapostel Dr. Karl Sonnenschein, auch er ruht auf diesem Friedhof,
hat über Berlin hinaus auf dem Gebiet der Sozialpolitik Pionierarbeit geleistet.
Sein Lebenswerk kann ebensowenig durch Gewaltmaßnahmen beeinträchtigt werden,
wie das Gedenken an die Werke seiner Liebe.
DIA Nr.: 74
1. Sprecher:
Offener und geheimer Terror haben ebensowenig wie alle Schikanen verhindern können,
daß sich immer wieder gläubige Männer, gläubige Frauen und gläubige Jugendliche
zu Kundgebungen ihres Glaubens zusammenfinden und sich in Wallfahrten mutig zu Gott bekennen.
DIA Nr.: 75
2. Sprecher:
Wie reagieren die ostzonalen Parteiorgane darauf?
1. Sprecher:
Die Menschen, die da zusammenkommen, folgen keinem Zwang, keinem Druck, keinem Befehl.
Das im Bereich der organisierten Demonstrationen, bei denen Polizeiposten die Teilnehmer daran hindern müssen,
sich zu verkrümeln ...
DIA Nr.: 76
Sie versuchen zu stören. Sie setzen einen Mann hinter Schloß und Riegel, der mithalf,
die Männerwallfahrten durchzuführen.
2. Sprecher:
Das Opfer der Terrorjustiz ist Alois Opfermann.
In den Prozeßberichten fehlt jedweder Tatbestand, der selbst nach den Gesetzen
des Parteistaates eine Verurteilung gerechtfertigt hätte.
Trotzdem: Vier Jahre Zuchthaus!
Seine Familie wurde ohne jedes Gerichtsverfahren aus ihrem Heimatort Dingelstadt
deportiert und in eine LPG des Kreises Arnstadt zwangseingewiesen.
DIA Nr.: 77
1. Sprecher:
Glaubt man damit unterbinden zu können, daß in diesem Jahr an Christi Himmelfahrt nicht wieder
20.000 Männer ihre Treue zu ihrem Glauben und zu ihren Bischöfen demonstrieren,
wie es 1961 der Fall war.
DIA Nr.: 78
3. Sprecher:
Wer offen nach dem Willen Gottes lebt und nach dem Gebot der Nächstenliebe,
muß mit Gefängnis oder Zuchthaus rechnen.
2. Sprecher:
Am 31. Januar 1951 verurteilte die IV. Große Strafkammer beim Landgericht in Ostberlin
eine katholische Buchhändlerin zu Einundeinhalb Jahren Zuchthaus.
3. Sprecher:
Sie war im Besitz von Büchern und Broschüren, die im Westberliner Morus-Verlag erschienen sind,
DIA Nr.: 79
2. Sprecher:
Im selben Jahr wurden fünf katholische Laien zu Gefängnis bzw. Zuchthausstrafen
zwischen 2 und 4 Jahren verurteilt.
3. Sprecher:
Sie waren im Besitz einiger Exemplare der in Westberlin erscheinenden Kirchenzeitung
„Petrusblatt”.
2. Sprecher:
Acht Monate Gefängnis erhielt der Jesuitenpater Wilhelm Rueter.
3. Sprecher:
Er war im Besitz von fünf verschiedenen Nummern der in Westberlin erscheinenden Kirchenzeitung
„Petrusblatt”.
DIA Nr.: 80
2. Sprecher:
1958 wurden elf katholische Laien zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
3. Sprecher:
Sie hatten an Einkehrtagen im Westberliner Exerzitienhaus teilgenommen. Spionage!
2. Sprecher:
Kurz danach stellte man vier Jesuitenpater des ostberliner Exerzitienhauses in Biesdorf vor Gericht. Anklagepunkt?
3. Sprecher:
Spionage!
1. Sprecher:
Der Versuch scheiterte, die Patres als Mitglieder eine weitverzweigten Spionageringes hinzustellen.
Trotzdem wurden sie verurteilt.
3. Sprecher:
Beihilfe zur Republikflucht!
1. Sprecher:
Beihilfe zur Republikflucht ist bereits die seelsorgliche Betreuung von Menschen,
die später einmal flüchteten.
2. Sprecher:
Am 21.4.1960 wurde in Potsdam der 59 Jahre alte Franz Guhn zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
Er hatte an Einkehrtagen in Westberlin teilgenommen.
1. Sprecher:
Ulbricht behauptet aber, das ist Spionage! Westberlin ist eine Brutstätte der Spionage,
ist ein Unruheherd, der den Weltfrieden bedroht.
DIA Nr.: 81
1. Sprecher:
Die konstruierten Beweise für diese Behauptung sollten das Rückgrat jenem berüchtigten Ultimatum stärken,
mit dem Chruschtschow im November 1959 die Berlin-Krise ausgelöst hatte.
Auch nach dem 13. August 1961 fanden Verurteilungen statt.
Außer dem bereits erwähnten Bauern Opfermann wurden der Kaplan Hans-Georg Hermesmann
und der Kuratus Johannes Matuschewski Opfer der roten Justiz.
Wirtschaftsvergehen und Kindesentführung wurde ihnen vorgeworfen.
Die Kindesentführung sah in Wirklichkeit so aus:
2. Sprecher:
Kuratus Matuschewski hatte ein 11 Monate altes Kind auf Bitten zweier ihm Unbekannter,
die einen Fluchtversuch unternahmen, bei sich aufgenommen.
Das Kind sollte vor den Folgen dieser Handlungsweise bewahrt werden.
3. Sprecher:
Die „Beihilfe” wurde härter bestraft, als der mißglückte Fluchtversuch der Mutter.
DIA Nr.: 82
1. Sprecher:
Oktober 1961. In allen Gemeinden den Bistums läßt der Bischof für die inhaftierten Priester
seiner Diözese beten.
Alle ... „denn du O Gott, bist der Allmächtige, Du vermagst die Gefängnisse
zu öffnen und die Heimkehr zu schenken!”
1. Sprecher:
Du kannst O Herr die Gefängnisse der Herzen öffnen, die Heimkehr der Sinne schenken,
die im Kerker des Atheismus gefangen gehalten werden. Erweitern wir das Gebet für die Gepeinigten
mit der Bitte für die Peiniger. Sie sind übler dran.
DIA Nr.: 83
Die Gefangenen einer Diktatur, sie sind nicht einmal innerlich frei.
Leidende Kirche, verfolgte Kirche, opfernde Kirche in Mitteldeutschland.
Es ist unsere Kirche: Die eine, die Heilige, die katholische, die Apostolische.
Was unseren Landsleuten dort geschieht, geschieht uns.
Uns dem gesamten deutschen Volk.
Es verlangt unser Gebet, unser Opfer, unsere Taten der Nächstenliebe.
Julius Eschka
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