Schematische Darstellung der räumlichen Anordnung der statischen Sperren, Stand 1966

Synonyme: Mauer, Schandmauer, „KZ″-Mauer, KZ-Wand, Ulbrichtmauer, „SED-Mauer, GULag-Wall, Bolschewistische Mordgrenze, Sprüchewand, Pißwand, ...

Grafik »Nationaler Verteidigungsrat der DDR«, Quelle: Bundesarchiv, AZN 17790 Seite 168 (1), Buchstaben und Schriftzüge »West-Berlin« und »Ostberlin« stammen nicht vom Original.

Grafik »Nationaler Verteidigungsrat der DDR«, Quelle: Bundesarchiv, AZN 17790 Seite 168 (1), Buchstaben und Schriftzüge »West-Berlin« und »Ostberlin« stammen nicht vom Original

 

Stationäre Sperren

Die Funktion dieser Sperren diente lediglich dem Zweck, das »Zeit-Weg-Diagramm« für die Grenzsoldaten zu verbessern. Der sogenannte »Republikflüchtige« wurde durch diese Sperren in seiner Bewegungsgeschwindigkeit und -richtung eingeschränkt und dadurch den Posten, Postenführern, Alarmgruppen und Grenzaufklärern zur bedingungslosen »Vernichtung« zugeführt.
Der sogenannte »Angriff auf die Staatsgrenze« der DDR musste mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln - eingeschlossen äußerster physischer und psychischer Brutalität - verhindert werden.

Mobile Sperren

Die Funktion dieser ,menschlichen' Sperre diente lediglich dem Zweck, den sogenannten »Republikflüchtigen« mit allen zur Verfügung stehenden Mittlen zu »vernichten«. Vor dem Handlungsbereich der Grenztruppen gestellte Flüchtlinge wurden abgeführt. Angeschossene wurden von den sich auf „Friedenswacht“ befindlichen Grepos ohne Erste Hilfe liegen gelassen, manchmal durch eine zweite gezielte Salve ermordet oder durch Verzögerung des Abtransports in ein Krankenhaus zu Tode gebracht.

Von Bedeutung ist, dass ca. 99% aller sogenannten „Angriffe auf die Staatsgrenze“ der DDR aus der Tiefe des eigenen Hinterlands erfolgten. Der „Angriff“ der NATO war eine propagandistische Lüge der SED.

Das DDR-Grenzregime war in den 70iger Jahren wie folgt aufgebaut:

A: Kartographische Signatur für die „Staatsgrenze” der DDR.

Vor der Anerkennung der DDR durch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland kennzeichnete die fette Strichlinie die Sektorengrenze bzw. die Demarkationslinie zwischen den westlichen und der östlichen Besatzungszone.

B: Im innerstädtischen Bereich von Berlin verlief eine ca. 3,8 m hohe Grenzmauer. In den West-Berliner Randbezirken errichteten die Grenztruppen vorwiegend einen Grenzzaun.

C : Die Kfz.-Sperre bzw. der Panzersperrgraben. Diese Sperre war so konzipiert, dass sie lediglich für aus dem Osten kommende Fahrzeuge ein Hindernis darstellte. Für einen „Feind” aus dem Westen stellte der Sperrgraben kein Hindernis dar.
Der Chef der Grenztruppen Generalleutnant a.D. Baumgarten schreibt, „der Kfz-Graben hatte zusammen mit anderen Sperrelementen die Aufgabe, Durchbrüche mit Kfz und leichter Gefechtstechnik zu erschweren. Der Steilhang war in Richtung Staatsgrenze angelegt, der flachere Gegenhang in Richtung Hinterland. Das ermöglichte die durchgehende Beobachtung des Grabens und bot den handelnden Grenzposten bei Angriffen Deckungsmöglichkeiten.”

(2) Das Zitat lässt erkennen, wie einfallslos sich die Verantwortlichen über den Sachverhalt hinwegtäuschten, dass der Kfz-Sperrgraben nur die Funktion hatte, DDR-Bürgern die Flucht nach West-Berlin oder in die Bundesrepublik Deutschland zu erschweren.

D : Der Spurensicherungsstreifen befand sich im Ausleuchtungsbereich der Lichtsperre und „feindwärts” des Kolonnenweges.

Fein säuberlich von Unkraut befreit und geharkt, diente dieser Bereich zum Identifizieren von Spuren, die sogenannte „Grenzverletzer” beim Überqueren hinterlassen mussten. Die Grenzposten waren mit Spurensuchlampen ausgerüstet, um Trittspuren sofort zu erkennen.

E : Der befestigte Kolonnenweg diente den Grenztruppen dazu, schnell in die Einsatzorte zu gelangen.

F : Die Lichtsperre diente zum taghellen Ausleuchten des Spurensicherungsstreifens. Die Masten waren zugleich auch die Grenzlinie für die Grenzposten, die sich auf keinen Fall weiter feindwärts im Grenzgebiet vorwagen durften. Auf Grenzer „westlich” des Kolonnenweges musste sofort ohne Warnruf oder Warnschuss geschossen werden. Die Devise war: „Bei der Vergatterung der Grenzposten, die für die Zeit des Einsatzes an der Staatsgrenze erfolgte, lautete die Aufgabe, «Grenzverletzer festzunehmen oder zu vernichten»". (3)

G : Führungsstellen und Beobachtungstürme

In Berlin gibt es nur noch eine begehbare Führungsstelle der DDR-Grenztruppen. Sie beinhaltet die "Gedenkstätte Günter Litfin", der am 24. August 1961 von Transportpolizisten der DDR im Wasser schwimmend kaltblütig erschossen worden ist.
Aus den Beobachtungstürmen wurde das Grenzgebiet beobachtet. Um die Beobachtung zu ermöglichen, wurde das Grenzgebiet begradigt und Hindernisse aus dem Weg geräumt, d.h. Wohnhäuser wurden abgerissen, zwei Kirchen in Berlin zerstört, Friedhöfe mit Planierraupen zu freiem Schussfeld planiert.
Die Grenzposten kommunizierten mittels des Grenzmeldenetzes (GMN). Im Bereich der Alarmmelder befanden sich Buchsen, in die die Grenzposten ihre Sprechgeräte einstecken konnten. Aufgrund der Kabelverbindung (nicht Funk), konnte der Sprechverkehr nicht abgehört werden.

H : Flächensperren, auch Stalin Rasen genannt, sperrten besonders schwer zu sichernde Geländeabschnitte. Sie lagen bevorzugt in Uferbereichen und hinter Grundstücksmauern. Sprang ein Flüchtling von einem grenznahen Haus über den Grenzzaun, ohne den Stalin Rasen zu sehen, bohrten sich cm-lange Stahlnadeln in die Gliedmaßen des Opfers.

I : Höckersperren dienten dazu, „Grenzverletzer” in besser überwachtes Grenzgebiet umzuleiten und um ehemalige Straßen, Brücken oder Zugverbindungen zu blockieren.
Im Bereich H existierten auch Hundelaufanlagen. Sie sollten ebenfalls „Grenzverletzer” in besser überwachtes Schussfeld der Grenzposten umleiten.

Welchen Sinn machen Hunde an langen Leinen, um einen befürchteten Angriff der NATO abzuwehren. Haben alle NATO-Soldaten eine Hundehaarallergie? Bleiben NATO-Panzer im Angesicht sozialistische Kampfhunde stehen? Die Hundelaufanlagen sind ein weiterer Beleg dafür, dass die Grenze nur dazu diente, die eigene Bevölkerung hinter den Mauern gefangen zu halten.

J : Der Grenzsignalzaun signalisierte bei Berührung in der Führungsstelle Alarm. In der Führungsstelle konnte abgelesen werden, in welchem Grenzsegment der Alarm erfolgte und die Alarmgruppe, bestehend aus acht Grenzsoldaten, rückte aus.

K : Die Hinterlandmauer oder der Hinterlandzaun stellten das erste Sperrelement für die Bewohner der DDR dar.
Vor der Mauer bzw. dem Zaun befand sich in Ostberlin ein Grenzgebiet, welches nur mit Sondergenehmigung betreten werden durfte. Es gab keine spontanen Familienzusammenkünfte, da auch bei Familienfeierlichkeiten nicht die gesamte Familie zeitgleich ins Grenzgebiet einreisen durfte. Sogar frisch vermählte Paare durften nicht gemeinsam die Schwiegereltern besuchen, insofern diese im Grenzgebiet wohnten. Zusätzlich zu Warnschildern existierten auch bewachte Schlagbäume, an denen die Einreise in das Grenzgebiet kontrolliert wurde.

 


1) Achtung! Alle Materialien der Grenztruppen und der NVA sind in den Besitz des Bundesarchivs übergegangen. Die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesarchiv, ist die alleinige Rechtsnachfolgerin. Nur das Bundesarchiv kann Archivalien herausgeben und für die Benutzung freistellen.
2
) Baumgarten, Klaus-Dieter; Freitag, Peter (Hrsg.): Die Grenzen der DDR, Berlin 2004, Seite 235.
3
) ebenda, Seite 230
 
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