Einleitung
Insgesamt gab es ‚drei Generationen’ der Berliner Mauer bzw. der Vorderlandmauer sowie Modifikationen.
Die Zustandsbeschreibungen des Antifaschistischen Schutzwalls wurden von der DDR
als pionier- und signaltechnischer Ausbau der Staatsgrenze bezeichnet.
Die DDR begann mit der Errichtung der »Grenzsperranlagen« entlang der
Berliner Sektoren- und Zonengrenze
am 13. August 1961. Folgt man den Ausführungen von General Lucius D. Clay,
stand bereits vor 1950 fest, dass die sowjetische Besatzungszone (SBZ)
(die spätere »nicht-souveräne« DDR) und der
sowjetische Besatzungssektor von Gross-Berlin (SBS)
(die spätere Hauptstadt der DDR) durch eine Mauer bzw. durch massive Sperranlagen
von Berlin (West) abriegelt werden sollten.
(Lit.: Entscheidung in Deutschland, Lucius D. Clay, 1950).
Foto: Arved Rabe, Berlin. Am 13. August 1961 sperren Kampfgruppen der DDR den Sektorenübergang zwischen Ost und West am Brandenburger Tor.
Das erste Sperrelement, ...
des von den Kommunisten als »antifaschistischer (Friedens-) Schutzwall« bezeichneten Grenzregimes,
bestand an der Berliner Sektoren- und Zonengrenze nach dem 13.August 1961 aus chaotischen
Stacheldrahtverhauen, die erst in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten durch Zäune und Mauern
ersetzt wurden. Auf die aus Hohlblocksteinen und
massiven Betonträgern mit Übersteigschutz
errichtete Grenzmauer der ersten Generation folgten Variationen in
so genannten durchbruchsgefährdeten Bereichen,
bis 1966 mit der Errichtung der Mauer der zweiten Generation begonnen wurde.
Diese Mauer bestand aus Betonträgern mit einem H-Profil, in welches zwei Meter breite Betonplatten
eingefügt wurden.
Von dieser Generation gab es mindestens in zwei Variationen;
entweder mit drei oder neun übereinander eingefügten Betonplatten.
Als Abschluss wurde nicht mehr der Y-Abweiser montiert,
sondern eine Asbestbetonröhre aufgeflanscht,
die das Übersteigen der Mauer ohne Hilfsmittel erschweren sollte.
Erst 1975 begannen die Pioniere der Grenztruppen der DDR mit der Errichtung einer
3,6 Meter hohen Mauer (»Grenzmauer-75«)
aus Betonsegmenten, die ohne weitere bauliche Maßnahmen einfach mittels eines Fußes
aufgestellt werden konnte.
Diese Mauer der dritten Generation wurde namensgebend für
das unmenschlichste Symbol des geteilten Berlins,
des geteilten Deutschlands und sogar für die Teilung der Welt.
Auf der Website Berliner-Mauer.de erhalten sie Informationen
zum 13. August und den Tagen danach, zur Situation der Berliner-Bevölkerung,
zum Schießbefehl und zum Aufbau der Grenzsperranlagen.
Weiterhin stelle ich Ihnen eine Serie von S/W-Fotos über das damalige Grenzregime vor.
Sie können aber auch eine Bilderreise auf den Spuren der Mauer HEUTE (im Aufbau)
machen oder sich mit den Werken der Berliner Mauerkünstler auseinandersetzen.
Vor dem Fall der SED bildete die Berliner Mauer vom Bethaniendamm
bis zum Potsdamer Platz die längste Galerie der Welt.
Mit dem Fall der Mauer hörte auch die
„Berliner Mauerkunst” auf zu existieren.
Als 1990 die an der Friedrichshainer Mühlenstraße East Side Gallery
an einem 1,3 km langen Restbereich des Antifaschistischen Schutzwalls entstand,
hätte sie dieses Privileg von der Berliner Mauer übernehmen können.
Aber im Laufe der Jahre entstanden immer mehr Lücken in dieser Wand, das heute nicht mehr
von einer durchgehenden „Mauer” gesprochen werden kann.
Unabhängig davon stellt Ihnen die Redaktion www.Berliner-Mauer.de
einige der Kunstwerke der East Side Gallery vor.
In dem Buch »Verboten: Berliner Mauerkunst« oder auf
der CD-ROM »Berliner Mauermalerei« können Sie
wissenswertes über die Künstler und ihren Kunstwerken nachlesen.
Trotz der weltweiten Bedeutung dieser »Schandmauer«
als Symbol der Bedrohung der Welt durch die Kommunisten wurden die Sperranlagen
nach dem Mauerfall am 9. November 1989 systematisch demontiert.
Bemalte Mauersegmente wurden abgeklopft und im Zuge des vollständigen Rückbaus
von den Grenztruppen der DDR abgerissen.
Segmente der ehemaligen »Grenzmauer 75« mit Restbemalungen wurden auf
Stellplätzen zwischengelagert, bis sie in einer Kunstauktion 1990
in Monte Carlo als wertvolle Kunstschätze versteigert wurden.
Durch die jahrelang fortschreitende Demontage des Antifaschistischen Schutzwalls
sind heute nur noch für den Ortskundigen die Spuren der Trennung erkennbar.
Während - und weil - die „Mauer„ weltweit verteilt in Museen,
im Vatikan, auf Privatgrundstücken, auf einem Flugzeugträger, vor der UNO usw. steht,
sind in Berlin nur wenige Segmente und zumeist nur an schwer auffindbaren Stellen
vom Abrisswahn verschont geblieben.
Zudem existiert weder ein Areal, welches die damalige Dimension des Grenzregimes verkörpert,
noch existiert ein Bereich, in dem die damalige tödliche Bedrohung,
hervorgerufen durch die Grenztruppen der DDR, nachvollziehbar ist.
Dem heutigen Stadtbild von Berlin fehlt in jeglicher Hinsicht ein Mahnmal für die von den
Kommunisten ermordeten Deutschen, die nichts anderes wollten,
als »von Deutschland nach Deutschland zu gehen«.
Ein adäquates Erinnerungs- und Mahn-Werk aus mehreren hundert hölzernen Mauerkreuzen
im Bereich des früheren Sektorenübergangs Checkpoint Charlie
erachtete der Berliner Senat als nicht historisch korrekt und stellte stattdessen
museal korrekte - und meines Erachtens total langweilige - Stelltafeln auf,
die leider aber auch nicht im Geringsten an die bedrohliche und erschütterliche Aussage
der Mauerkreuze herankommen.
Den Opfern der SED-Diktatur, die dem Schießbefehl
und den schießwütigen sowjetisierten Mitteldeutschen zum Opfer fielen,
soll kein Mahnmal errichtet werden! Der letzte Chef der Grenztruppen,
zugleich auch Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR,
der seine Grenzsoldaten auf Deutsche schießen ließ,
ist Klaus Dieter Baumgarten.
Am 27. Oktober 1995 begann der Staatsanwalt des Landes Berlin gegen ihn zu ermitteln.
„Am 10. September 1996 wurde Klaus-Dieter Baumgarten
wegen elffachen Totschlags und fünffachen versuchten Totschlags,
begangen an DDR-Flüchtlingen, zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt” (Wikipedia).
Allerdings durfte Baumgarten in der Bundesrepublik Haftbedingungen genießen,
die für „politische Häftlinge” in der DDR undenkbar komfortabel waren.
Als kommunistischer Klassenkämpfer und als ein Mann von
SOZIALISTISCHER EHRE & EID hätte Baumgarten wahrlich
ins kommunistische Exil gehen müssen.
Da deutsche Kommunisten offenbar aber keinen „Arsch in der Hose haben”,
kassierte der Befehlsgeber des Schießbefehls
jetzt vom ehemaligen Klassenfeind eine feine „Rente”.
Zudem darf er Bücher (LINK: Pressekonferenz) schreiben,
für die sich in der Bundesrepublik sogar Verleger finden.
Für Berlin-Besucher ist es nahezu unmöglich, den ehemaligen Verlauf
des Grenzregimes zu verfolgen und die wenigen noch vorhandenen Reste der Sperranlagen
ausfindig zu machen.
Das Berliner–Mauer.de/Team bemüht sich,
Ihnen dabei behilflich zu sein, den »Antifaschistischen Schutzwall«
und seine verlorene Geschichte aufzuspüren.
Wir bieten Ihnen individuell geführte Stadtspaziergänge auf den Spuren der Berliner Mauer
an und führe Sie auf vergessenen Pfaden durch das ehemalige Niemandsland.
Sie können aus 7 Stadtspaziergänge im zentralen Bereich von Berlin und in den Randgebieten
auswählen. Sie können aber auch ganz individuell Ihre Route mit uns planen.
Möchten Sie weitere Informationen zum Mauerbau, zum Grenzregime, über Fluchten
und Propaganda, steht Ihnen die Redaktion auch gerne für einen multimedial
unterstützen Vortrag zur Verfügung.
Im Forum www.Berliner-Mauer.de können Sie an Diskussion
zum Thema Antifaschistischer Schutzwall, bzw. Berliner Mauer oder Schandmauer
teilnehmen oder aber eigene Fragen ins Netz stellen.
Mit der Publikationsliste möchte die Redaktion Berliner-Mauer.de
Sie auf Neuerscheinungen, Bücher, Filme und Audioprodukte zum Thema Berliner Mauer,
Kalter Krieg, Alliierte und DDR hinweisen.
Im Bereich Zeitzeugen finden Sie Interview mit Betroffenen,
Flüchtlingen und ehemaligen Soldaten. Aufgrund des hohen Volumens
an Speicherplatz und den damit verbundenen Kosten, muss ich leider das Angebot
beschränkt halten. Einen Teil der Gespräche sind bei Youtube gehostet.
Die East Side Gallery wird natürlich auch auf der Berliner-Mauer.de vorgestellt.
Bei den Kunstwerken auf diesem - vormals - 1,3 km langen Mauerrest handelt es sich aber weder
um spontan-, noch um grenzüberschreitende, illegale oder provokatorische Kunst.
Die East Side Gallery entstand nach dem Fall der Berliner Mauer
durch ein Kunstprojekt mit dem Ziel, einen Teil des
»Antifaschistischen Schutzwalls«, durch Kunst vor dem Abriss zu retten.
Die zum Projekt zugelassenen Künstler erhielten zum Teil sogar eine geringe Aufwandsentschädigung.
Diese (Auftrags-)Wandbemalung als „Berliner Mauerkunst”
zu bezeichnen, bedeutet, den Künstlern, die vor dem Fall der Mauer
selbstmotiviert, grenzüberschreitend und illegal agierten,
ins Gesicht zu schlagen.
Berliner Mauerkünstler agierten gegen den Willen der SED,
die zum Schutze des Weltfriedens Grenztruppen entlang ihrer
sog. Westgrenze stationiert hatten. Sie gelobten die Unversehrtheit der »Mauer«
und standen mit ca. 9000 Mann auf Wacht. Dennoch mussten sie tatenlos
mit zusehen, wie Mauerkünstler und Touristen täglich ihren
Antifaschistischen Schutzwall mit Farbe und teilweise
frechen und spitzen Kommentaren zu Leibe rückten.
Für sie implizierte Mauerkunst nicht nur gegnerischer Klassenkampf sondern auch
illegales Betreten des Territoriums der DDR und Beschädigung
des vordersten Sperrelements (Grenzmauer 75).
In Jahresstatistiken wiesen sie diese Ereignisse als so genannte
terroristische Grenzverletzungen - die unter Strafe standen - aus.
1989 zählten die Grenzschützer am Antifaschistischen Schutzwall
zu Berlin (West) 8842 Grenzverletzungen.
Quelle: „Mauer-Marketing” unter Erich Honecker,
Bd. II, Seite 1583
Mit dem Fall der Mauer hörte auch die Berliner Mauerkunst auf zu existieren.
Sie überlebte nur in Form von Abbildungen in Büchern und Filmen.
Möchten Sie sich über die Haftbedingungen der politischen Häftlinge
in der DDR informieren, schauen Sie sich bitte den Dokumentarfilm Strafgefangener 382 an.
»Das freie Dokumentarfilm-Team - DDT« sprach mit ehemaligen Häftlingen über
die Verhörmethoden und der angewandten seelischen Folter in der
Stasi-Sonderuntersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen
und über die inhumanen Haftbedingungen und Schikanen durch
Stasi-Offiziere im besonderen Einsatz (OIBE) in Bautzen II.
Im der Kurz-Doku »Onkel« spricht der ehemalige
Strafgefangene 382 (Hossein Yazdi) in Mielkes früheren
Privatknast Bautzen II über die Allmacht dieser Sondergattung
von MfS-Offizieren.
Verboten: Berliner Mauerkunst

... eine Dokumentation von Ralf Gründer
352 Seiten, ca. 400 Fotos, Hardcover
ISBN 978-3-412-16106-4
Anfang der 80er Jahre begannen Künstler aus aller Welt die »Grenzmauer-75«
mit großflächigen Bildern zu bemalen. Die Geschichte dieses pazifistischen Widerstands
gegen das unmenschliche Grenzsperr-Regime der DDR erzählt dieses Buch.
Die nach dem 'Westen' blickende Seite der Berliner Mauer war die längste Spüche- bzw. Leinwand der Welt.
Mit der Errichtung der Sperranlagen erschienen zuerst politisch motivierte Slogans: „KZ-Wand!”
„Die Mauer muss weg!”, „Die Schande muss weg”, „DDR = KZ”.
Mit der Errichtung der Grenzmauer der dritten Generation (»Grenzmauer-75«)
begann Anfang der 80. Jahre die Revolution der Graffiti- und Mauerkunst.
Zu den ersten Akteuren gehörten: PVC, Lilli Berlin, Marianne Sanders,
Jürgen Mann, David Wojnarowicz, Jonathan Borofsky, Rainer Fetting,
Barbara Quandt, Stephan Elsner ua.