Auf Beschluß des Sekretariats der Bezirksleitung finden Anfang August dieses Jahres in allen Betrieben, Einrichtungen, Schulen, Wohngebieten und Kulturstätten Versammlungen und Veranstaltungen, Aussprachen und Meetings unter dem Thema

„Fünf Jahre antifaschistischer Schutzwall“

statt.

Mit der vorliegenden Rededisposition geben wir den Genossen und Kollegen für die massenpolitische Arbeit anläßlich des 5. Jahrestages der Sicherungsmaßnahmen an unserer Staatsgrenze in Berlin eine Reihe von Hinweisen, die bei der Vorbereitung der Versammlungen unter Berücksichtigung der konkreten Lage im jeweiligen Betrieb, der auftretenden Fragen und Argumente beachtet werden sollten.

I.

Am 13. August 1961 wurde in Berlin der Frieden gerettet

(Einleitung)

- Die Sicherung der Staatsgrenze nach Westberlin war von weitreichender nationaler und internationaler Bedeutung.

- Die deutschen Imperialisten und Militaristen wurden von der deutschen Arbeiterklasse, gemeinsam mit ihren Verbündeten, geschlagen, bevor sie ihre verbrecherische und abenteuerliche Politik bis zum Krieg treiben konnten.

- Die Eroberung unserer Republik durch die Truppen der Bonner Bundeswehr wurde verhindert.

- Die Maßnahmen vom 13. August 1961 waren ein Ausdruck der neuen Kräfteverhältnisse zwischen den Kräften des Friedens und des Sozialismus und den Kräften des Krieges und des Imperialismus in der Welt und besonders in Deutschland.

- Die Entwicklung unserer Republik in den fünf Jahren seit der Schaffung des antifaschistischen Schutzwalls hat gezeigt, daß unsere Republik in ihrem nationalen und internationalen Ansehen gewachsen ist.

- Heute versuchen die Bonner Militaristen, ihre am l3. August 1961 gescheiterte Politik mit anderen Mitteln fortzusetzen. Das Ziel, die Einverleibung der DDR und die Beseitigung des sozialistischen Weltlagers, ist das gleiche geblieben.

- Sie halten fest an dem völkerrechtswidrigen, arroganten „Alleinvertretungsanspruch“ und der Hallstein-Doktrin. Das im Bonner Bundestag beschlossene Handschellengesetz ist ein Ausdruck dafür.

- So, wie am i3. August 1061 durch die DDR der frieden In Berlin gesichert wurde und ihre Pläne scheitern mußten» ist auch ihre heutige Aggressionspolitik zum Scheitern verurteilt.

II.

Welche Rolle hatten die Bonner Militaristen Westberlin bei der Eroberung der DDR zugedacht?

1. Westberlin, ein NATO-Stützpunkt und Agentensumpf

- Seit Jahren geht von Westberlin eine feindselige Politik der Provokationen und eine systematische Störtätigkeit gegen die DDR und ihre Hauptstadt aus.

In Westberlin treiben verschiedenste Geheimdienste ihr Unwesen und errichten Stützpunkte der Spionage und der Diversion gegen unser Land.

- Mit Duldung und Unterstützung des Westberliner Senats wird die Politik der Provokationen und der Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR betrieben. So wurde von Vertretern des Westberliner Senats auf dem Dortmunder Parteitag der SPD erklärt, mit der Anerkennung der DDR unterwerfe man sich dem Völkerrechtsgrundsatz der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten eines anderen Staates, das aber sei nicht im Sinne westdeutscher Politik.

(Vgl. ND 23. 6. 66)

Das bedeutet nichts anderes, als daß der Senat sich absichtlich und gezielt in die inneren Angelegenheiten der DDR einmischen will.

- Selbst während der Laufzeit des letzten Passierscheinabkommens gab es erneut Grenzprovokationen, bei denen u. a. von Westberliner Seite Angehörige der Grenzsicherungsorgane der DDR bedroht und beschossen, Grenzsicherungsanlagen beschädigt und Grenzdurchbrüche versucht wurden.

Anschläge gegen die Staatsgrenze der DDR wurden von Westberliner Polizei- und Zollangehörigen, in einem Fall von einem ganzen Zug der Westberliner Bereitschaftspolizei unterstützt.

2. 1961 hatte der westdeutsche Militarismus mit der unmittelbaren Kriegsvorbereitung gegen die DDR begonnen

- Die Pläne der westdeutschen Militaristen zur Eroberung der DDR sind heute genau bekannt.

So beginnt z. B. der von Heusinger unterzeichnete Plan „Deco II" mit den Worten:

„Anweisung 126. Betrifft Operation Deco II. Ziel: Befreiung der SBZ und Wiedervereinigung Deutschlands durch Besetzung des mitteldeutschen Raumes bis zur Oder-Neiße-Linie.“

- Am 11. Juli 1961 verkündete die Parteiführung der CDU/CSU in einem Grundsatzprogramm:

„Wir halten in Übereinstimmung mit dem Deutschlandvertrag daran fest, in Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten ein wieder vereinigtes Deutschland zu schaffen, das in die Europäische Gemeinschaft integriert ist.“

In die „Europäische Gemeinschaft integrieren“ hieß aber, wie die Erläuterung dazu eindeutig bewies, nichts anderes, als die DDR in die NATO einzugliedern!

- In der „Bonner Rundschau“ erläuterte der Adenauer-Intimus Ingrim am 9. Juli 1961 die Vorstellungen der Bonner Ultras zur „Einverleibung“ der DDR wie folgt:

„... daß sich die freie Welt instandsetzen müsse; alle Mittel des Krieges, des Nervenkrieges und des Schießkrieges, anzuwenden. Dazu gehören nicht nur die herkömmlichen Streitkräfte und Rüstungen, sondern auch die Unterwühlung, das Anheizen des inneren Widerstandes, die Arbeit im Untergrund, die Zersetzung der Ordnung, die Sabotage, die Störung von Verkehr und Wirtschaft, der Ungehorsam, der Aufruhr...“

- Die Rolle Westberlins wurde in dem schon erwähnten Plan „Deco II“ offiziell bestätigt. Es war beabsichtigt, Truppen der Bonner Armee in Zivil nach Westberlin zu bringen, die man in die Hauptstadt der DDR einschleust, um dort mit dem Überfall beginnen zu können.

So wurden allein im Zeitraum von Januar 1960 bis Juli 1961 etwa 4000 solcher konterrevolutionärer Elemente auf dem Gebiet der DDR festgenommen, die zum größten Teil über die offene Grenze in Berlin in die DDR eingeschleust worden waren, mit dem Auftrag, hier im Herbst 1961 Putsche und Unruhen zu entwickeln. Das sollte den Einmarsch der Bundeswehr in das Territorium der DDR rechtfertigen. Wörtlich heißt es im Plan „Deco II“:

„Die nach Berlin eingeschleusten Verbände in Zivil besetzen zum Zeitpunkt ,E’ sämtliche sowjetzonalen staatlichen und militärischen Dienst- und Kommandostellen, Telegrafen- und Fernsprechämter, Reichsbahn- und Stadtbahnhöfe, Rundfunksender, Verlage, Industrie- und Hafenanlagen sowie Ausfallstraßen und Grenzkontrollpunkte.“

3. Die DDR wurde durch die offene Grenze nach Westberlin ökonomisch ausgeplündert

- Bis zum 13. August 1961 hatten wir zu Westberlin eine offene Grenze, und der Ausplünderung der DDR durch die westdeutsche Monopolbourgeoisie waren kaum Schranken gesetzt. Diese Ausplünderung wird auch von der westdeutschen Seite nicht bestritten.

- Einige Konzerne habe in selbst behauptet, jahrelang ihren Bedarf an Ingenieuren und Wissenschaftlern in einem großen Umfang durch Abwerbung aus der DDR gedeckt zu haben.

- Der ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD, Prof. Baade, erklärte in einem Interview für die Prager Zeitschrift „Internationale Poetik“ vom März 1965, Bonn schulde der DDR über 100 Milliarden Mark.

Unter anderem schrieb der Professor:

„In gewissem Maße ist unser Wohlstand eine {Folge der Diskriminierung der DDR. Wenn die Reparationen verwirklicht würden, könnte das sozialistische System mit einem derartigen Tempo seine Vorteile erst voll beweisen, daß das Lebensniveau in beiden deutschen Staaten bald gleich wäre, wenn es sich nicht sogar zugunsten der DDR entwickeln würde.“

- Die von Prof. Baade angenommenen Zahlen geben aber noch keinesfalls die wahre Höhe der ökonomischen Verluste der DDR an. Prof. Baade erwähnte auch die riesigen Einbußen nicht, die unsere Republik durch Westberliner Währungsspekulationen und Schiebereien erlitten hat.

Für uns waren zusätzliche Anstrengungen notwendig, um die Wirtschaft der DDR vor der Blockadedrohung der westdeutschen Monopole störfrei zu machen.


III.

Die nationale und internationale Auswirkung des 13. August 1961

1. Der Kampf um die Sicherung des Friedens und die Stärkung der Arbeiter- und- Bauern-Macht

- Mit dem 13. August wurde das Scheitern der gesamten Deutschland-Politik der CDU/CSU offenbar. Der 13. August machte allen Deutschen die Grundfragen unserer Zeit sichtbar und zeigte die Perspektive der Entwicklung der DDR und der ganzen Nation.

„Seit dem 13. August 1961, seit der zuverlässigen Sicherung des Staatsgrenze in und um Berlin, sind in der Hauptstadt die Fronten klarer und übersichtlicher geworden. Die Atmosphäre wurde sauberer. Der Ausplünderung, der Abwerbung und dem Menschenhandel wurde ein Ende gesetzt. Auf allen Gebieten trat eine Veränderung ein. (Diskussionsrede des Genossen Paul Verner auf dem VI. Parteitag der SED)

2. Die wirtschaftliche Stärkung unserer Republik nach dem 13. August 1961

- Mit den antifaschistischen Sicherungsmaßnahmen unserer Regierung am 13. August wurde eine neue Periode in der Entwicklung der DDR eingeleitet.

- Sie wird gekennzeichnet durch den umfassenden Aufbau des Sozialismus in der DDR, unabhängig von den Klassenauseinandersetzungen in Westdeutschland, durch den Kampf um die Durchsetzung der friedlichen Koexistenz und die Herstellung sachlicher, gutnachbarlicher Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten und dem besonderen Territorium Westberlin.

- Der erste wichtige Schritt war das Produktionsaufgebot, das den Auftakt zur Normalisierung der wirtschaftlichen Lage, zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Akkumulation und Konsumption, zur richtigen Anwendung der ökonomischen Gesetze des Sozialismus und zum Ausgleich der entstandenen Verluste gab.

Der Ausgangspunkt dieser großen Wettbewerbsbewegung war der Aufruf der Abteilung Elektrodendreherei des VEB Elektrokohle Berlin-Lichtenberg vom 6. September 1961 mit der Zielstellung: „Für das gleiche Geld in der gleichen Zeit mehr produzieren.“

- „Dabei galt es, die durch die Verletzung der ökonomischen Gesetze des Sozialismus entstandenen negativen Auswirkungen auf das Bewußtsein der werktätigen Menschen rasch zu überwinden. Indem das Gesetz der Verteilung nach der Arbeitsleistung verletzt wurde, entstanden auch Hemmnisse bei der Herausbildung der sozialistischen Einstellung zur Arbeit.“

(Aus dem Bericht des ZK der SED an den VI. Parteitag)

- Das gewachsene sozialistische Bewußtsein der Berliner Werktätigen spiegelt sich in meßbaren politischen und ökonomischen Erfolgen wider: In der Zunahme der Industrieproduktion, in der Steigerung der Arbeitsproduktivität, im Anwachsen der Akkumulationsrate, bei der Verbesserung des Verhältnisses zwischen der Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Entwicklung der Durchschnittslöhne, in der Verbesserung der Technologie, besonders durch die komplexe Rationalisierung, in der Verbesserung der Arbeitsmoral und Arbeitsdisziplin und in der Entwicklung einer Atmosphäre der offenen Aussprache in den Betrieben.

(All das sollte durch die Referenten an Beispielen aus dem jeweiligen Bereich deutlich gemacht werden!)

3. Das internationale Ansehen der DDR ist gewachsen

- „Die antifaschistischen Schutzmaßnahmen trugen zur weiteren Festigung des internationalen Ansehens der DDR bei. Ihre Zuverlässigkeit als friedliebender Staat war erneut bestätigt worden.“

(Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung, Band 8, Dietz Verlag Berlin, S. 295)

- Die Maßnahmen vom 13. August trugen dazu bei, daß führende Politiker der Westmächte zu einer realeren Einschätzung der Lage kamen. Sie mußten zur Kenntnis nehmen, daß an der Souveränität der DDR auch durch Provokationen nichts zu ändern ist. Die westlichen Verbündeten des Bonner Militarismus waren nicht bereit, dessen Forderungen nach gemeinsamen aggressiven Gegenmaßnahmen nachzukommen.

- Der 13. August förderte wesentlich den Differenzierungsprozeß im westlichen Lager. In wachsendem Maße traten einflußreiche Politiker des Westens mit der Forderung auf, die gesamte außenpolitische Konzeption zu überprüfen und wesentliche Teile ihrer Konzeption zu revidieren. Es mehrten sich vor allem die Meinungen, daß es notwendig sei, die in Europa bestehenden Grenzen, besonders die Grenzen der Volksrepublik Polen und die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten, anzuerkennen.


IV.

Unsere Grenze wird zuverlässig geschützt

- Der SPD-Parteivorstand behauptet in seiner ersten Antwort auf den Offenen Brief des ZK der SED, daß die Ordnung an der Staatsgrenze der DDR eine offene Diskussion und die Verständigung in Deutschland behindere

- Die Forderung des SPD-Parteivorstandes, auf den bewaffneten Schutz unserer Grenze zu verzichten, ist eine Forderung, den Revanchisten freiwillig Tür und Tor unserer Republik zu öffnen. In den Fragen der Sicherung der Staatsgrenze nahm auf dem 12. Plenum des ZK der SED der Minister für Nationale Verteidigung, Heinz Hoffmann, Stellung. Er sagte u. a.:

„Wir Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere der Nationalen Volksarmee sind stolz darauf, durch den zuverlässigen Schutz unserer Staatsgrenze nach Westberlin und Westdeutschland mit dafür gesorgt zu haben, daß die Früchte der Arbeit unserer Werktätigen uns nicht mehr gestohlen werden können.

Wir stehen voll hinter der Erklärung des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der SED, Genossen W. Ulbricht, auf der Festveranstaltung zum 20. Jahrestag der Partei: ‚Alle Maßnahmen, die zur Sicherung der DDR, ihres friedlichen Lebens und Aufbaus notwendig sind, werden durchgeführt.’

Und wir setzen durch - wenn notwendig, auch mit der Waffe -, daß die Grenzen unserer Republik von jedermann respektiert werden und der deutsche Imperialismus diese unsere Grenzen niemals antasten kann.

- Zu unseren Sicherungsmaßnahmen an der Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik heißt es in der Stellungnahme des 12. ZK-Plenums:

„Wir konnten keinen Tag länger zusehen, wie die Arbeitsergebnisse von Millionen fleißiger Menschen geraubt wurden. Die DDR sollte ausgeblutet werden, um sie schließlich zerstören zu können. Den militärischen Kräften ging es darum, ihre Einflußsphäre auszudehnen und sich zunächst die Deutsche Demokratische Republik einzuverleiben. Diesem Drang des deutschen Imperialismus nach Osten, der unserem Volk schon so oft Leid zufügte, haben wir gemeinsam mit unseren sozialistischen Verbündeten eine unüberwindliche Mauer entgegengesetzt. Der Tag X mußte ausfallen, es wird ihn auch in Zukunft niemals geben. Jede Schwächung der DDR ermuntert nur die westdeutschen Revanchisten und erhöht die Kriegsgefahr. Die Sicherung unserer Grenze war und ist ein entscheidender Beitrag für den Frieden und nutzt daher nicht nur der Bevölkerung der DDR, sondern auch den friedliebenden westdeutschen Bürgern.“

(Aus der Stellungnahme des ZK der SED zum Meinungsaustausch zwischen SED und SPD auf dem 12. Plenum des ZK)

V.

Fünf Jahre liegen seit dem 13. August hinter uns

- Es waren fünf erfolgreiche Jahre. Wir haben sie genutzt, um aktiv dafür zu wirken, daß nie mehr von deutschem Boden ein Krieg ausgehen kann.

Die Friedensmacht DDR festigte sich weiter politisch, wirtschaftlich, kulturell und militärisch.

- Das spürte schließlich auch der westdeutsche Imperialismus, das spürte auch die Führung der westdeutschen Sozialdemokratie.

Als der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wehner am 30. Juni 1960 mit seiner Kapitulationserklärurig vor dem Bundestag den Deutschlandplan der SPD und mit ihm jeden Ansatz einer selbständigen Deutschlandpolitik der Sozialdemokratie ad acta legte, da tat er das, weil die SPD-Führung im Troß der CDU und der Bundeswehr am sogenannten Tag X mit singendem und klingendem Spiel durch das Brandenburger Tor marschieren wollte.

- Der 13. August 1961 und die darauf folgende Entwicklung bewiesen den illusionären Charakter dieser Aggressionspläne und Gelüste. Heute steckt die Politik der CDU/CSU-Kriegspartei in einer tiefen Sackgasse. Nicht zuletzt deshalb suchte die SPD-Führung nach neuen Methoden, nach neuen Tricks, zur Verwirklichung der alten Ziele, der Aufweichung und der Veränderung der politischen Machtverhältnisse in der DDR.

- Während die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands mit dem auf ihre Initiative entwickelten Meinungsaustausch das ehrliche Ziel verfolgt, zum Umdenken der westdeutschen Bevölkerung, zu demokratischen und friedliebenden Umgestaltungen in Westdeutschland beizutragen, beabsichtigt die rechte SPD-Führung mit ihren Briefen nichts andres, als das, was im Troß der CDU mit den Mitteln der offenen militärischen Aggressionsvorbereitungen 1961 mißlungen war, nun mit einer flexibleren, beweglicheren Taktik, sozusagen mit der Taktik der Aufweichung der DRR, der Infiltration ihrer Meinungsmache doch noch durchzusetzen.

- Dabei macht sich die SPD-Führung zum Vorreiter der imperialistischen Eroberungspolitik gegen die DRR. Das bezeugt u. a. ihre Mitwirkung und Zustimmung zum Bonner Handschellengesetz, zu jenem Gesetz, das angeblich den Redneraustausch zu den geplanten Versammlungen garantieren sollte, das aber in Wirklichkeit diese Versammlungen blockiert, den Bonner Alleinvertretungsanspruch und die Aggressionspolitik des westdeutschen Imperialismus juristisch fixiert.

- Bei diesem ungeheuerlichen Gesetz handelt es sich um die Rückkehr zur mittelalterlichen Räubermoral und zum Faustrecht der Feudalherren aus der Zeit des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, da es niemand wagen durfte, ohne ausdrückliche Zusicherung freien Geleits deutsche Lande zu betreten, wenn er nicht Hab und Gut, Leib und Leben aufs Spiel setzen wollte. Kein deutscher Arbeiter und schon gar kein Parteifunktionär der SED kann heute zulassen, daß die fortschrittlichsten Menschen in Deutschland zum Verbrecher erklärt werden und als Verbrecher behandelt werden sollen.

- Was den Alleinvertretungsanspruch der Herren in Bonn am Rhein betrifft, so verzichten wir dankend darauf, uns von KZ-Baumeistern, Nazigeneralen, Hitlerfinanziers und faschistischen Blutrichtern vertreten zu lassen! Niemand soll an der Standfestigkeit der Werktätigen der DDR und an der Festigkeit der Arbeiter-und-Bauern-Macht in der DDR zweifeln, erklärte Genosse Walter Ulbricht anläßlich der Eröffnung der diesjährigen Ostseewoche, und wahrlich: es wäre klüger und stünde auch westdeutschen Sozialdemokraten besser an, sich für demokratische Veränderungen und für echte Friedensgarantien in Westdeutschland einzusetzen, als sich zum Vorreiter und Handlanger der Aggressionspolitik des westdeutschen Monopolkapitals zu machen.

- Der CDU-Parteitag im März dieses Jahres leitete eine neue Etappe der westdeutschen Aggressionsvorbereitungen ein, die durch das Erhardsche Programm der formierten Gesellschaft, das Programm der offenen Diktatur des staatsmonopolistischen Kapitalismus, durch den Griff nach Atomwaffen, durch die Forcierung der Notstandsvorbereitungen und verschärften Revanchismus gekennzeichnet ist. Dabei wird deutlich, daß der Imperialismus aggressiver, aber nicht stärker wird.

- Trotz hoher Investitionsraten konnte das westdeutsche Monopolkapital seine Positionen in den letzten fünf Jahren selbst in der westlichen Wirtschaftswelt nicht weiter ausbauen. Mit dem weiteren Ausbau der gefährlichen Achse Bonn - Washington jedoch wurde es zum zweiten Herd der Kriegsgefahr in der Welt.

- Die westdeutsche Sozialdemokratie steht heute am Scheideweg. Anstatt im sogenannten Bonner Forschungsbeirat die Eroberung der DDR mit zu planen, sollte sie ihre Kraft darauf richten, eine demokratische Alternative zur Politik der CDU/CSU zu entwickeln und die Gemeinsamkeitspolitik mit dieser aggressiven Partei des westdeutschen Monopolkapitals ein für allemal über Bord zu werfen.

- Aus der vom Forschungsbeirat in seinem Grauen Plan vorgesehenen Reprivatisierung der volkseigenen Betriebe in der DDR, aus der Auflösung unserer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, aus der Errichtung der Macht der Rüstungsmonopole in unserem Lande wurde 1961 nichts und 1966 schon gar nicht, und zwar weder mit den alten noch mit den neuen beweglicheren Methoden der Aggressions- und Expansionspolitik. Daran ändern auch nichts die Phrasen, die in Sachen „Menschlichkeit“ von den Bonner Machthabern und ihren Helfershelfern in der SPD-Führung gedroschen werden. Mögen sich diese Befürworter der Menschlichkeit, die dicke Krokodilstränen vergießen, gegen die unmenschlichen Verbrechen des USA-Imperialismus in Vietnam wenden und die aktive Unterstützung der USA-Aggression gegen das heldenhafte vietnamesische Volk einstellen!

VI.

Worin bestehen unsere Aufgaben zur Sicherung des Friedens?

- Sie bestehen vor allem in der weiteren allseitigen Stärkung der Friedensmacht in Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik.

- Die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik tauschen nicht unsere Arbeiter-und-Bauern-Macht, die größte Errungenschaft des 120jährigen Kampfes der deutschen Arbeiterbewegung, für das Linsengericht einer Reise nach Westdeutschland ein! In diesem Sinne muß unsere ganze politische Arbeit in Betrieben, Schulen und Wohnbezirken in diesen Tagen dazu beitragen, die Notwendigkeit des zuverlässigen Schutzes unserer Staatsgrenze allen Bürgern bewußt zu machen und die Leistungen unserer Grenzsoldaten, die täglich und stündlich ihr Leben für die Sicherheit und den Schutz aller Bürger der Deutschen Demokratischen Republik einsetzen, zu würdigen. Der militärische Schutz unserer Republik - eine gemeinsame Aufgabe aller Werktätigen, der Kampfgruppen der Arbeiterklasse, der Nationalen Volksarmee, der Deutschen Volkspolizei und aller bewaffneten Kräfte der Republik!

- Unsere vordringliche Aufgabe ist die weitere ökonomische Stärkung der DDR durch die allseitige Erfüllung des Volkswirtschaftsplans 1966, gute Vorbereitung der Planangebote 1967 und die Perspektivplanung bis 1970. Im Mittelpunkt des Massenwettbewerbs steht dabei die komplexe sozialistische Rationalisierung. Je größer unsere ökonomischen Ergebnisse, desto größer das internationale Ansehen unserer Republik, desto größer das internationale Gewicht der DDR.

- Schließlich besteht unsere Aufgabe darin, auf der Grundlage des Offenen Wortes des Zentralkomitees unserer Partei den nationalen Dialog, den unsere Gegner mit dem Handschellengesetz abwürgen wollen, tausendfach weiterzuführen, um den westdeutschen Arbeitern, Bauern und Angehörigen der Intelligenz, um allen Bürgern der Bundesrepublik ihre Verantwortung für die Erhaltung des Friedens bewußt zu machen und ihnen zu helfen, den Kampf gegen Atomkriegspolitik, Notstandsdiktatur und Revanchismus in Westdeutschland erfolgreich zu führen.


Quelle: Rededisposition: FÜNF JAHRE ANTIFASCHISTISCHER SCHUTZWALL, Hrsg.: SED, Bezirksleitung Berlin, Abt. Agitation/Propaganda, Berlin 1966

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